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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
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regiments in einen Kampftruppführer verwandelte, und er dachte an den Vilshofen dieser Macht, und ihm war nicht nur außen kalt, es fror ihn bis ins Herz.

Der Kommandeur der Nachbartruppe ist irrsinnig geworden, ein andrer hat sich erschossen; jeden Tag erschießt sich irgendwo einer; jeden Tag verliert irgendwo einer den Verstand! Und was ist mit Vilshofen , ein Stoßtruppunternehmen und aus! hat er gesagt; er hat manches, hat aber auch das gesagt. Wollte er doch so einen Stoßtrupp aufstellen und seinen Latte mitnehmen! Latte ist noch jung, doch es ist Zeit zum Sterben.

Mit solchen Gedanken schlief Latte endlich ein.

Ein Gelächter, das in der engen Höhle aufflatterte und sie ganz anfüllte, erweckte ihn. Er blickte auf und sah Wedderkop vor sich stehen und er hörte ihn sagen:Jetzt ist auch unser Alter verrückt geworden!

Auch Lindt, auch Döllwang erwachten.

Was ist los?

Wer ist verrückt geworden?

Uber den Haufen hätte man sie schießen müssen, auf der Stelle! So haben wir es jedenfalls mit solchen Untermenschen gehalten. Sie haben einen Schlitten in Brand gesteckt und haben ein Signal gegeben!

Was, wer?

Die Russen beim Troß! Aber anstatt die ganze Bande zu Matsch zu hauen, hat er befohlen, daß beim nächsten Absetzen alle Russen zurückbleiben sollen! Und wer wird die Schlitten zichen? fragte Lindt.

Vor Schlitten gehören Pferde, da wir keine Pferde mehr haben, bleiben die Schlitten zurück, und von heute ab trãgt jeder sein Zeug selbst, und Munition und Gerãt wird auf Handschlitten verladen und von der Kolonne gezogen, hat er gesagt. NMicht möglich! sagte Oberleutnant Lindt.

Leutnant Lattes Augen wurden leer, um seinen Mund zZuckte es, und es sah aus, als wollte er zu weinen beginnen.

Ich sage es doch, verrückt geworden! wiederholte Wedderkop.VWir haben keine Pferde, und wir haben kein Futter für Pferde. Wir haben kein Essen für Gefan- gene, auch keinen überzähligen Mann für eine Gefangenenbewachung, auch nicht für einen Gefangenenabtransport nach hinten, also bleiben die Russen zurück! hat er gesagt.

Das ist nicht verrückt, das ist eine logische Konsequen?! sagte Döllwang. Lindt schüttelte den Kopf, und Latte blickte ratlos von einem Zum andern. Wedder- kop aber sagte:Erschießen das wäre die Konsequenz!

Menschen erschießen, weil man sie nicht ernähren und nicht bewachen kann, das allerdings wäre Mord!

Verzeihung, Herr Hauptmann, aber man hört, Sie sind erst seit gestern an der Ostfront! sagte Wedderkop.

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