sten ein Lächeln, sie sahen es in den Augen, sahen es die mageren zerrissenen Züge überflackern wie ein rotes Wetterleuchten.
Dieses rote Leuchten blieb, als Vilshofen weitersprach und jetzt Gimpf betrachtete: „Das ist also Gimpf, den wollen wir weiter im Auge behalten. Aber die andern auch, Gnotke, wenigstens das Fußwerk. Wer ist das,— sieht schlecht um die Füße herum aus!“
„Soldat Kalbach, Herr Oberst! Für die Frau und die Kinder wäre es schlecht, wenn er draufginge. Er hat dicke Füße und ein krankes Herz.“
„Und wer ist das und wer dieser, wer dieser?“
„Soldat Stüwe, Herr Oberst. Bei uns heißt er Tünnes. Er ist traurig, weil vorher drei von seiner Sorte bei uns waren.“—„Soldat Liebich, hat Sorgen wegen der Haus?inssteuer, er hat ein kleines Hãuschen in Masserberg in Thüringen .“—„Soldat August Fell, der betet!“—„Soldat Liebsch, hat eine schwache Blase, und im Bunker muß er unten schlafen.“
„Also, Rieß, Tünnes, Liebich, Liebsch haben jetzt postenfrei und kriechen in ein leeres Lehmloch; und wenn es einmal ein Bunker mit Pritsche sein wird, Liebsch selbstverständlich unten! Unteroffizier Gnotke, Gimpf, Fell und Altenhuden gehen nach vorn in Stellung!“
Vilshofen sah den Leuten beim Abrücken nach, und er sah sie zweimal— er sah sie mit gesunden und breiten Gesichtern, die Köpfe erhoben und sah sie, wie sie in dieser Stunde aussahen, die Gesichter eingefallen, die Hälse magere Greisen- hälse, die Augen trübe. Er sah auch den Unteroffizier Matzke, ein untersetzter breitbrũstiger Kerl war er gewesen und einen federnden tigerhaften Gang hatte er gehabt und so hatte er auch zuweilen, beim Unteroffiziersunterricht war das vor- gekommen, aus võlliger Lautlosigkeit heraus aufbrüllen können; und überhaupt war er einer gewesen, der seinen Dienst liebte und sich ganz darin auslebte. Jetzt aber schlich er dahin, und es sah aus, als wollte er von seinen Füßen fallen. Vilshofen betrachtete auch noch einmal eingehend die Meuen, und vom Unteroffkier Gnotke ließ er sich das Soldbuch aushändigen. Er traf noch einige Anordnungen und kroch dann in sein Loch zurück.
Es Sah da in der Schlucht ähnlich aus wie in der Felsenstraße eines Indianerpueblos, und Erdhöhle— die Eingangslöcher und teilweise auch die Erddecken eingesunken lag neben Erdhöhle. Eine davon hatte Oberst Vilshofen bezogen; daneben waren, und zwar der Wãrme wegen, Döllwang , der Verpflegungsoffnier(das war Wedder- kop)⸗ der Adjutant(das war Leutnant Latte) zusammengekrochen. In andern Lõchern hauste die Stabskompanie, Küchen- und Schreiberpersonal, weiter Soldaten und Unteroffiere der Truppe, und am ãußersten Ende lag der Troß mit Bewachungs- mannschaften und Troß- und Arbeitsrussen.
An zwei Stunden später war es, da hörte der vor dem Stabsquartier aufgestellte Posten aus dem Prdloch Vilshofens ein Pfeifen. Der Posten Klappte eine der Ohren- klappen zurück, um besser hören zu können; er zuckte die Achseln, aber es blieb
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