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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
121
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leicht, aber sie summieren sich und innerhalb vier Stunden Go lange befand Döll- wang sich jetzt im Kessel) waren sie zu einer nicht mehr übersehbaren Reihe an- gewachsen und waren sie, zusammengenommen, unverkennbar das Symptom eines Zustandes, der nicht mehr außerhalb der Erwägungen bleiben, und der auf der Karte des DPivisionskommandeurs und der des Armeeführers ebensowenig fehlen durfte wie die roten Pfeile der russischen Angriffsrichtungen, wobei Döllwang den noch verbliebenen Wert an Kampfkraft dieser Armee in Gedanken als Größe X einsetzte. Aber eins war augenscheinlich: Eine abgekämpfte, müde, verlauste, ausgeblutete und moralisch erschlaffende Masse war hier, eine Armee konnte es erst wieder werden! Was dazu not ist und das einzige, was dazu helfen kann: Ruhe und Pflege, und nochmals Ruhe und Pflege, und dann Ausrüstung und scharfer Prill. Aber dazu war er nicht hier, um sich Sorgen über die Notwendigkeiten der Armee zu machen. Er war hierher geschickt worden, um in der kleinen Finheit Erfahrung in der Truppenführung zu erwerben. Die Straße, die sie fuhren, führte durch Schnee, zuerst von vielen Fahrzeugen zer- fahren, später zeigten sich nur wenige Spuren auf der weiten weißen Fläche. Am Wegrande lagen LKWs, aus der Ferne wuchsen sie wie Klippen im Mondschein auf, und im Vorbeifahren waren sie nichts als von Schnee überpulverte Wracks, und auf᷑ der Wegmitte oder hart am Wegrand, und zuerst einzeln und nachher wie an laufender Kette, lagen graue Bündel, wie die Fahrzeugwracks von Schnee über- pulvert, einmal ein Fuß, einmal eine Hand ragten aus dem Schnee auf. Der Weg führte eine Schlucht hinunter, auch da lagen zwei LKWs, und es sah aus, als ob ein Gefecht an dieser Stelle stattgefunden hätte. Wedderkop stöhnte. Der Fahrer wandte den Kopf und blickte Wedderkop und dann Döllwang an. Wedderkop sagte: Ja, allerhand Bruch hat es gegeben, allerhand Bruch, allerhand Schamotte... Seine Stimme war blechern. Döllwang konnte nicht wissen, um was es sich han- delte. Er erwartete eine weitere Erkärung. Aber Wedderkop begann von etwas anderem zu reden. Den Steiger haben sie mir jedenfalls abnehmen müssen! sagte er.Hauptmann Steiger, den Verteidiger der Kasatschihügel. Das hat natürlich keinen Findruck gemacht in Pitomnik. Absolut keine Ahnung haben diese Knochenflicker, stehen da den ganzen Tag und sägen und schneiden, und sonst hören und sehen sie nichts. Den Steiger wollten sie mir nicht abnehmen. Aber den Steiger habe ich ihnen auf den Tisch gelegt... Ihr Vorgänger übrigens, Herr Hauptmann! Nun, Fahrer, es muß bald so weit sein, sonst landen wir bei den Russen! sagte er nach einer Weile. Es dauerte auch nicht mehr lange. Am Wege stand eine Ge- stalt, ein Posten. Kampfgruppe Vilshofen?

Liegt an der anderen Seite der Straße!