mit Margot— sie beide in all dem Trubel wie auf einer Insel— noch eine schöne Stunde. Als sie endlich auf brachen, fuhr die Stadtbahn nicht mehr, und es gab kein Taxi und sonst keine Fahrgelegenheit, und sie mußten?u Fuß durch den Tiergarten pilgern. Margot in schwarꝰen Seidenschuhen, die waren nachher natürlich futsch. Aber schließlich waren sie wieder zu Hause.
Und schließlich... er hatte die Rolle des jungen Verliebten nicht nur gespielt. Es war wirklich wieder wie in den ersten Tagen ihrer Liebe, und zugleich war er in so pehutsamen Händen wie in den ersten Tagen des Lebens. Als es Tag wurde und er sich allein auf dem Lager fand und sich in der Wärme dehnte und streckte, da wußte er nicht, ob er der achtzehnjährige Otfried oder der achtundvierzigjährige Hans Carras war; und er wußte auch nicht— hatte er ihr gesagt oder hatte er ihr nicht gesagt...
Aber sie wußte schon alles. Nachdem er aufgestanden und gebadet und angezogen war und sich an den Früh-
Stückstisch setzte, war schon alles bereit. Sein Reisekoffer war gepackt, und er brauchte nicht nachzuschen; er konnte gewiß sein, daß nichts darin vergessen sein würde.
„Hans!“
„Margot!“
Die Korridortür schloß sich hinter ihm, und da war mehr als nur eine Tür Zuge- gangen. Er wußte: was zurückblieb, war das Leben, und ob die Tür ihm jemals wieder aufgehen würde, das wußte er nicht. Fine Stunde spãter saß er im Flugzeug. Unter den Flũgeln der Ju lag das graue Steinmeer Berlin . Er hatte sich kaum richtig umgeblickt und sich den vor dem Fenster der Kanzel abhebenden und mit den Gashebeln hantierenden Flugzeugführer betrachtet und den Funker, der die Schlepp- antenne ausrauschen ließ und sein Gerät einstellte, bei seinem Tun beobachtet, als die Stadt schon unter ihm wegglitt und die isenbahnlinie nach Adlershof und den östlichen Industrievororten zu schen war. Die Zwischen den winterlich nackten Fel- dern und der grau betupften Heide auf blinkende helle Fläãche war der Müggelsee, und an dem sich windenden Band der Spree entlang, und weiter zur Oder, und immer weiter führte der Flug. Eine Anzahl Männer, ihm für sᷣeine Sonderaufgabe beigegeben, begleitete ihn. Auch Hauptmann Döllwang, der Hauptmann mit dem Generals- onkel, der Hauptmann mit dem„Todesurteil“, ein vierund?wanigjãhriger und außergewõhnlich begabter junger Mann, wie Carras vom OKH und jetzt der 6. Armee zugeteilt, um Kommandeurerfahrung zu erwerben, wie es hieß, befand sich eben- falls an Bord.
Lemherg— Winni?za—
Lemberg war der erste Anflugpunkt. Ein fortwãhrendes Kommen und Starten von Maschinen.„Ein wilder Betrieb!“ meinte Hauptmann Döllwang. Carras, und bei ihm Döllwang , suchten den Flugleiter des Fliegerhorstes. Ein ganzer Schwarm Jus— eine nach der andern schwebte an, rollte über das Feld und blich stehen— parkte
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