Runz. Der Blick Lattes hing unverwandt am Gesicht seines Obersten. Hauptmann Tomas stand da in unbewegter Haltung. Oberleutnant Lindt, die Soldaten, alle Starrten den Obersten an. Der aber stand da wie ein angefrorener Pfosten. Für Führer und Reich— irgend so ein Wort hätte nun kommen müssen, doch es kam nicht; der Oberst sprach es nicht aus.
Wo blickte er hin— über die Reihe der ausgestreckten Leichname, über die Reihen der Soldaten, der Sanitäter, über die Schlittenburg hinweg, und weiter über die Mulde hinweg, aus der heraus die russischen Salvengeschütze ihr Feuer spien, noch weiter in den eisigen Dunst hinein, bis nach Otorwanowka, wo mit Verband- feten umwickelte Gespenster auftaumelten und Schritte machten, die sie doch nicht mehr machen konnten und umfielen, wie sie vor dreißig Stunden da um- gefallen waren, um unter prennendem Gebälk liegen zu bleiben; und Vilshofen blickte noch weiter, und von weither kam sein Blick zurück.
Er sagte nichts als:„Amen!“
Uber die Gesichter und Gestalten der Hingestreckten wurde Schnee geschaufelt. vVilshofen ließ die Offiziere um sich herum zusammenschließen und gab Befehle für den Weitermarsch aus. Der letzte Panzer war zu sPrengen⸗ der Sprit vorher abzufüllen und damit waren zwei der im Orte herumstehenden LKWs flottzumachen. Auf einem LKW sollte Hauptmann Tomas, der mit seiner Beinverletzung für Fuß- märsche und infanteristischen Einsatz nicht mehr tauglich war, nach Stalingrad fahren und sich bei der Armee zu anderer Verwendung melden, und er sollte den Oberarzt, die Sanitäter und die aus Otorwanowka mitgeführten gehfähigen Ver- wundeten mitnehmen. Mit dem anderen LKW hatte Oberleutnant Wedderkop die Verwundeten des Regiments entweder nach dem Flugplatz Pitomnik, oder falls sie dort nicht aufgenommen würden, nach dem Lazarett Gumrak zu bringen, weiter hatte Wedderkop den Ort des Divisionsstabes festzustellen, dort vom Standort und der Lage des Regiments Meldung 2u machen und Verpflegung, Brennstoff, Muni- tion mitzubringen. Oberleutnant Lindt erhielt den Befehl, sich mit dem Troß sofort in Marsch Zu setzen. Nächstes Ziel: zwölf Kilometer weiter und õstlich an der Straße nach Pitomnik. Oberfeldwebel Bauer war Nachhut, und er hatte(Pakgeschütze und Munition waren im Ort aufzulesen) am Ostrand der Ortschaft Stellung zu beziehen und die zu erwartenden Infanterie-, mõglicherweise auch Panzerangriffe abzuwehren, um so den Rückmarsch zu decken.
Das Gros der Kampfgruppe führte der Oberst selbst.
Das Thermometer war jäh gefallen. Beim Abmarsch hatte es 26 Grad gezeigt. Auf dem zurückbleibenden Ort lag schweres Feuer; eine gelbe Qualmbank legte sich üũber die Hütten. Es wurde dunkel, und zu beiden Seiten der Straße lag Schnee und voraus lag Schnee. Es war ein verlorener Haufen, der dahinzog, und einer in diesem Haufen war der Soldat de Wede.
De Wede war nicht besonders groß, auch nicht besonders breit, aber er war einmal von stämmiger Gesundheit gewesen. Im seiner Brust schlug ein mächtiges Herz.
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