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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
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schmierten gekrümmten Fingern kämmte er sich übers Gesicht und wischte sich den Ruß aus den Augen. De Wede, der Krefelder , noch ein dritter, der Unteroffizier Matzke, marschierten in einer Reihe. Auch sie hatten vor zwei Tagen die Spaten fortgeworfen, die Gewehre liegen gelassen und waren davongelaufen. Sie hatten zur Gulaschkanone und zum Regiment zurückgefunden, hatten in Otorwanowka hinter Lehmbrocken gelegen und jetzt zogen sie durch ein Steppendorf, und Funken Stoben ihnen ins Gesicht. Auf der Straße standen Geschütze, standen zerbombte und auch heilgebliebene Fahrzeuge, neben dem Weg lagen Tote. Die Männer setzten Fuß vor Buß, und ihre Blicke waren nicht mehr auf Rücken und Kochgeschirr, sondern auf die mit Lappen umwickelten Beine des Vordermannes gerichtet; sie Sahen auch die Beine und die durch den Schnee schlurfenden Füße des Vorder- mannes nicht mehr und spürten auch die Wolke von Dreck und Verwesung nicht, die mit dem Haufen mitzog.

Am Porfausgang wurde haltgemacht.

Da war der Troß, da waren die Schlitten, da waren auch die Russen, die die Schlitten gezogen hatten. Die Russen hatten begonnen, eine Grube zu hacken. De Wede, der Krefelder , Matzke setzten sich an den Wegrand und warteten auf den Befehl zum Wegtreten und zum Quartiermachen. Da waren Bunker, und da waren auch die Bohlenwände der Hütten, die Wärme und die auch einigen Splitterschutz bieten würden.

Da findet sich auch noch was! sagte Unteroffizier Matzke.Ja, da findet sich sicherlich noch was! sagte auch de Wede. Der Krefelder, er war einmal Ver- sicherungsagent gewesen und hieß Robert Brünner, sagte:Wo bloß der Krämer bleibt!

Hermann Krämer hatten sie während des Durchmarsches durchs Porf ausgeschickt, damit er sich umsche und die Bunker durchstreife. Matzke hatte ihm mit auf den Weg gegeben:Aber wenn du was findest, dann komm auch schnell!

Nach einer Weile kam Krämer. Wie Brünner, war er Angestellter gewesen und hatte in einer Bank in Magdeburg gearbeitet. Das hätte dieser Gestalt in dem zer- fetzten Soldatenrock und mit dem von Haaren verwachsenen Gesicht allerdings nicmand mehr angesehen; auch daß er erst achtundzwanzig Jahre alt war, Sah man seinem eingefallenen Gesicht mit den geweiteten Hungeraugen nicht an.

Da ist nichts mehr, schon alles abgegrast! berichtete Krämer.Aber da habe ich noch was! Und er holte aus seiner Manteltasche etwas hervor. Kartoffeln?

Ja, Kartoffeln!

Es waren gefrorene Kartoffeln, jeder erhielt zwei Stück.

Aber prima, waren gekocht gewesen, ich habe sie in einem Schweinetrog gefunden! In einem Schweinetrog?

Ja, da hat ein Korpsstab gelegen, und die haben Schweine gchabt, und die haben

die Schweine allerdings mit gekochten Kartoffeln gefüttert!

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