Stellung zu bezichen. So war es gekommen, daß die Hauptkampflinie sich mitten durch den Hauptverbandplatz zog, und es dauerte nicht lange, bis aus den in Brand geschossenen Hütten die Flammen brachen.
Und da war dieser Oberarzt, ein junger Mann noch, unmilitärisch und undiszipli- niert, stand er plõtzlich vor ihm und sprach das aus, was mindestens einer seiner Bataillonsführer, Hauptmann Runz, bei der letzten Zusammenkunft hatte vorbringen wollen, dann aber doch nur darum herumgeredet hatte. Dieser Oberarzt verlangte kurz und bündig das Hissen der weißen Fahne.
„Kommt nicht in Frage, und kümmern Sie sich nicht um Dinge, die Sie nichts angehen!“ war das, was der Arzt erwidert erhielt. Da waren einstürzende Dächer und aufgerissene Wände. Unter den einstürzenden Dächern und fallenden Lehm- brocken lagen Verwundete. Als die Linie weiter zurückgelegt werden mußte, gerieten alle, die zwischen den Trümmern des ehemaligen Hauptverbandplatzes noch at- meten, in das Feuer von beiden Seiten. Da war der Arzt dann wieder, und dieses Mal hatte er keine Vorschläge mehr, denn dafür war es zu spät, dieses Mal stellte er Fragen und forderte er Antworten, ein Oberarzt von einem Obersten, und sowas War noch nicht dagewesen.
Das war Otorwanowka, und es war nichts als eine Riegelstellung im Leeren gewesen, die einige Stunden gehalten worden war. Links war nichts mehr und rechts war nichts mehr. Und so war, was an dieser Stelle geschehen war, denn tatsächlich sinnloses Vernichten von Menschen gewesen, eben das, was jener Oberarzt da etwa gesagt hatte.
Jener Oberarzt aber war noch weiter gegangen und hatte seine Bemerkungen nicht nur auf Otorwanowka, sondern auf das ganze Stalingradunternehmen bezogen, sogar auf den grandiosen Vormarsch nach Stalingrad , und er hätte verdient, auf der Stelle standrechtlich erschossen zu werden. Nichtsdestotrotz befand er sich noch immer beim Haufen und nichtsdestotrotz zog er in den Reihen der Vilshofenschen Kolonne mit nach Osten. Er hatte im Wachen ausgesprochen, was andere, was man Selbst vielleicht im Traume denkt! Sollte man ihn dafür erschießen lassen,— dafür allerdings, das ist zuzugeben, werden nicht wenige erschossen!
Dreißig Stunden waren vergangen.
Die Kampfgruppe Vilshofen z0g durch das Rossoschkatal, überquerte das gefrorene Rossoschkaftüßchen, z0g auf der andern Seite weiter durch eine tiefeingeschnit- tene Balka, die nach stundenwãhrendem Marsch auf die Steppe hinauf und zu einem nördlich Nowo-Alexejewka gelegenen Steppendorf führte.
Gegen drei Uhr nachmittags war es.
Schneegestöber, von einem niedrigen Himmel löste es sich ab. Auch auf diesem abseits gelegenen kleinen Steppendorf lag Feuer. Viele Hütten brannten, aus andern stieg Qualm auf. Das Dach einer Scheune stürzte zusammen, und ein Regen bren- nender Strohwische und Funken flog in die vorbeimarschierende Kolonne.
Eine sich hebende Soldatenhand, es war die des Bauern de Wede. Mit seinen ver-
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