Handgranaten. Fine Pak— Amberger, Schuster und Nitschke— feuerte auf ein prüllend heranwiegendes Ziel. In die Erdspalte tauchte es ein und tauchte wieder auf Pin schwerer russischer Panzer, und es war nichts anders als ein Stier, der Schuster und Nitschke samt der Pak, an die sie sich klammerten, auf die Hörner nahm und über sich wegwarf. Steiger verspürte einen heftigen Schlag und brach zusammen. Das war der Moment, in welchem in seinem Kopf das Wort von den Verbrennern, welche alle Zeit gelchrter gewesen sind als die Verbrannten, und welches höhnisch weiter lautet:„Dieses sieht man in allen Küchen, da der Koch doch klüger ist als das Holz, welches er verbrenmt.“ Aber das Herz Steigers war nicht bei den Ver- brennern, Sondern bei den Verbrannten. Und wer sind nun die Verbrenner und wer die Verbrennenden? Und schließlich: was geschicht, geschicht westlich Nowo-Alexe- jewka, auf fremder hundertmal in Brand gesteckter Erde. Mit den Verbrennern, mit den Köchen, den Rechthabern, den Spöttern ist er hierhergekommen. Und nun: wer ist der Koch, wer das Holz? Und ist der Mensch endlich doch nur Holz? Steiger konnte die Fragen nicht mehr lösen, er verlor die Besinnung.
Das russische Kapitulationsangebot war abgelehnt worden. Die Folge war die Liqui- dierung des Kessels. Der erste Schlag öffnete die Front im Norden im Raum von Dmitrewka und gleichzeitig im Süden im Raum von Krawzow und Zybenko. Der weiter getragene Stoß führte im Norden bis zu dem an der Eisenbahnlinie Kalatsch- Stalingrad gelegenen großen Steppendorf Karpowka, und im Süden Zielte er eben- falls auf Karpowka. Die aus der„Nase füchtenden Truppen, in der Hauptmasse war es die 3. I. D.(mot), ließen einen Teil ihres Menschen- und Materialbestandes in einem tobenden Schneesturm zurück; und õstlich Karpowka bei Nowo-Rogatschik gerieten die Haufen aufs neue ins Feuer⸗ dieses Mal in den von Sũden vorgetragenen Stoß der Roten Armee. Die schon jenseits des Dons bei Kletskaja Schwer angeschla- gene 376. I. D., jetzt in der Richtung des Hauptstoßes liegend, hörte an dieser Stelle auf zu bestehen. Die in letzter Stunde zur Ablösung geschickte 29. I.D. mot) wurde in den Untergang hineingerissen, und nur Trümmer beider Pivisionen fielen nach Osten zurück. Die weiter nördlich liegende 344. I. D. und auch die 76. I. D. wurden ebenfalls nach Osten abgedrängt. Dieses Mal war es die noch weiter nõrdlich iegende und bisher der Nordriegelstellung angehörende 13. I.D., die den stillstehenden Prehpunkt bildete, um den herum die Schwenkung auszufũhren war. Diese Schwen- kung aber war Flucht durch schneezertoste Räume und zwar Zurũckfallen von einem Schlachtfeld, auf dem das Material von Divisionen weggeworfen wurde und auf᷑ dem nach drei Tage währenden Kämpfen 30 000 Tote zurückblieben. Die neue Wider- standslinie, die nicht in befohlenem und ordentlich durchgeführtem Rüchug, Son- dern in Blut und Auflõsung vom Armeeoberkommando angestrebt wurde, und die nichts als eine Linie auf dem Papier und ein auf den Generalstabskarten von Norden nach Süden und quer durch den Kessel verlaufender Strich war, trug das Kennwort „Veilchen “.
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