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hatten, ging der Blick zwischen den zurückgeschlagenen Zeltbahnen auf eines der Sich auf der Bbene erhebenden Skythengräber.
Fs war noch vor Tag, in den Schluchten braute noch Finsternis und über dem ver- cisten Land schwebte Mebel. Hinter dem Skythengrab tauchte ein Stern in den Dunst ein und begann zu flackern.
Munition, Verpflegung, Pioniermaterial, Ersatz waren die Fragen, die hier im Zelt pehandelt wurden. Keine Flak und Pak, für die wenigen noch vorhandenen Geschütze nur je ein paar Schuß. Statt täglich 200 Gramm Brot nur Tagesportionen von 100 Gramm. Für den Stellungsbau keinen einzigen Magel mehr und nicht ein Ende Draht. Die Kompanien gelichtet und die Haufen räglich kleiner und keiner mehr, der die Lücke ausfüllt. Vilshofen kannte das alles, und er wußte, daß es im Nachbarregiment nicht anders aussah. Die Division war ausgeglüht, ebenso die Pivision rechts. Die Division links aber, die Dammesche,— die Soldaten nannten sie die VD, zu über- setzen die verlorene Division“ oder je nachdem und in Erinnerung an einen früheren verlustreichen Flußübergang die„versoffene Division“ oder auch die„erfluchte Pivision“; schon einmal zersprengt und wieder zusammengelesen und aus Trossen und Trümmern anderer Divisionen wieder aufgefüllt, war sie derart Schlacke, daß sie selbst unter geringer Feindberührung bröckelte, und nur die hinter ihr aufge- fahrenen Panzerkräfte gaben ihr Rückgrat und hielten sie überhaupt noch zusammen. „Wo soll das hinführen?“ „Sind wir denn verlassen?“ „Die Linie ist nicht zu halten „Der Führer wird doch alles tun, was in seiner Macht steht; durchbrechen muß man!“
So sprachen die Bataillonsführer Run? und Hedemann.
Vilshofen sagte:„Durchbrechen,— das ist vorgeschlagen worden, als das vielleicht noch möglich war. Es ist abgelehnt worden, und heute ist es Zu Spãt. Für die ver- hungerte und schlecht ausgerũstete Truppe, die wir nur noch darstellen, ist das kein Weg mehr!“
„Mein Gott, ein Führerwort!“
„Daß uns das angetan werden muß, was haben wir denn verbrochen, sind wir denn verlassen?“
Es war kalt, Schnee stäubte herein. Das Erdloch war so eng, daß die Knie einander berührten. Wie weißer Rauch fuhr der Atem des Sprechenden dem gegenüber Sitzen- den ins Gesicht. Das Heulen von Salvengeschossen war zu hören. Der hinter dem flatternden Segeltuch aufscheinende Skythenhügel war von flackerndem grünem Lich umgeben. Vilshofen betrachtete Scine beiden Kommandeure. Runz war ein vierzigjähriger Staatsbeamter, vor einigen Tagen hatte er im Erdloch seinen elf- jährigen Hochzeitstag gefeiert; vor der Einkesselung hatte er von seiner Frau tãglich oder bei jeder Postausgabe gleich zwei und drei Briefe bekommen. Auch Hedemann war Beamter und Reserveoffizier und hatte in Lettland , in der Nãhe Dünaburgs
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