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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
83
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Fausthandschuhe an, verschwanden in dem weißen Dunst, der durch die aufgehende Tür hereinblies.

Aber Oberst Vilshofen blieb erstaunt zurück.

Was ist das, und warum nichtHeil Hitler, und niemand vermißt es!

Auch Hauptmann Steiger dachte daran, an dieses Wort, das aus dem Munde des Regimentskommandeurs ganz anders und weit bedeutungsvoller wirkte als aus dem Munde des Divisionspfarrers etwa. Hauptmann Steiger führte eine Kolonne von vierzig Mãnnern, die je vier und vier ein leichtes Pakgeschütz hinter sich herschlepp- ten. Der Himmel bezog sich, ein Loch blieb offen, ein Loch mit hellen Sternen, es rcichte bis zur Erde herunter, bis zu den Hütten von Dmitrewka, die das ebene Gelãnde überragten und langsam im Rücken der treckenden Kolonne versanken. Schr langsam ging es vorwärts.

Speiche um Speiche sich drehende Räder. Nachher ging es noch langsamer, nachher ging es nur noch ruckweise. Das in der Regenzeit von Panzern zerfahrene und stellen- weise von Bomben zerrissene und jetzt gefrorene Gelände, auf dem die Paks mit ihrem Vorspann an Männern abtauchten und auftauchten, lag hingebreitet wie eine erstarrte Sturzsee. Infanteristen am Wege(s war an der Linie, die sie fest beziehen Sollten) arbeiteten wie Verdammte; mit Spaten, mit Spitzhacken, mit Beilen hackten Sie sich in die Erde ein. Der Lehmboden war granithart gefroren. Die Kolonne Steiger (der Trupp des Oberleutnants Lindt und der des Feldwebels Bauer zweigten nach flankierenden Punkten ab) hatte noch an vier Kilometer vor sich bis zu dem Hügel, der vor dem Hellwerden zu beziehen war und der gehalten werden sollte. Ein eisiger Wind, aus dem Loch im Rücken war er aufgefahren, fegte über das Feld. Aber die Männer dampften, sie waren naß unter ihren Kleidern, sie schwitzten vor Anstren- gung und Schwäche. Fin Gefreiter, von Steiger zur nächstliegenden Kompanie ge- schickt, um Hilfe herbeizuholen, kehrte allein zurück. Die Kompanie brauche selbst Hilfe. Der Boden sei wie aus Erz, die Leute kämen nicht hinein. Sie würden bei Tageslicht unter freiem Himmel dastehen, und kein Baum, keine Erhebung, keiner- lei Peckung! Die Kolonne Steiger arbeitete Sich weiter. Die Männer stöhnten und fuchten, sie fluchten auf die Infanteristen, die Hilfe abgelehnt hatten. Und diese Infanteristen, einige Kilometer hinter ihnen, schlugen mit Beilen auf die gefrorene Erde ein, daß die Funken spritzten, daß das Blut durch die Handflächen und Haut- poren brach, sie stõhnten und fluchten, sie fluchten auf den Bataillonskommandeur, auf den Regimentskommandeur, der mal nach vorn kommen und mal selbst hier hacken sollte; und der Bataillonschef stöhnte ob der Menge der ihm gemeldeter Mängel, und er fluchte und jagte Meldereiter zum Regiment; und der Regiments- kommandeur stöhnte oh der schier unũberwindlichen Schwierigkeiten und schickte Ordonnanzoffuiere, einen nach dem andern, zur Division und ließ dort die Un - möglichkeit der geplanten Linie und die Notwendigkeit eines weiteren Zurück- nehmens unter Anpassung an geeignete Gelãndegegebenheiten, etwa an das Ros-