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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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kämmen und eine zweite Alarmkompanie aufstellen und durch einen Oberleutnant Wedderkop anführen und in Richtung Baburkin in Marsch setzen. Ein anderer war ein kKommandeur an der Nordriegelstellung und auch er hatte Verstärkung an die Westfront zu schicken, und er schickte den Obersten Lundt, und eins der beiden Bataillone, die Lundt mitnahm, wurde vertretungsweise noch immer von dem Bataillonsadjutan- ten, dem Leutnant Lawkow, angeführt. Ein dritter war General Gönnern; der befand sich in dem großen Steppendorf Karpowka in einem Durcheinander von Kisten, die vernagelt, von Koffern, die gepackt und von Soldaten auf die Straße getragen und auf Lastkraftwagen verladen wurden. Die Nachrichten über die Front- einbrüche im NMorden und auch im Sũden ließen keinen Zweifel darũber, daß die Stoß- richtungen sowohl von Morden als auch von Süden her auf Karpowka gerichtet waren, und da war es an der Zeit, das Stabsquartier weiter nach rückwãrts zu verlegen. Bin vierter war General Damme in Nowo-Alexejewka. Sein Ia saß über eine Karte gebeugt; einen Kohlestift in der Hand, machte er Finzeichnungen, während er mit der Linken den Fernhörer am Ohr hielt. Damme wanderte in dem engen Bunker auf und ab. Dann und wann blieb er stehen, blickte seinem Ia über die Schulter und betrachtete die neuen Einzeichnungen. Er machte einen Zug an seiner Zigarre, be- merkte, daß sie kalt geworden war, zündete sie wieder an und begann seine Wan- derung von neuem.

Sein Adjutant trat ein mit einer völlig verdreckten Gestalt, auch das Gesicht von Dreckspritzern und angetrocknetem Schweiß überzogen, es war Oberst Vilshofen . Na, Gott sei Dank, daß Sie da sind! brachte Pamme hervor, und er schüttelte Vilshofen beide Hände.Ein Panzermann- Panzer, das ist es, was wir hier brauchen! Ich habe keine Panzer mehr, Herr General!

Was nein, nicht, natürlich nicht!

Vier Panzer, das ist alles, was mür verblieben ist!

Aber Vilshofen mußte Damme noch mehr enttäuschen. Er war mit seiner zusammen- gerafften Kampfgruppe nicht Pamme zu Hilfe geschickt worden, sondern hatte am rechten Flügel der Dammeschen Division, der Nahtstelle zwischen der Dammeschen und der Nachbardivision, Stellung zu bezichen.

Pamme trat wieder an die Karte, er stöhnte:Was fange ich nur an! Das Korps hat mir KHilfe versprochen. Vor einer Stunde ist hier ein Oberleutnant Wedderkop mit 200 Mann durchgezogen. Das hätten Sie sehen müssen Ausdrusch aus den Lazaretten keine Soldaten, eine Truppe von Krüppeln, jeder zehn Patronen in der Tasche. Was ist das für eine Hilfe!

Pamme und dessen Ia und Oberst Vilshofen setzten sich an den Kartentisch. Der Adjutant übernahm den Fernhörer, durch den laufend neue Angaben von der Front durchgegeben wurden. Damme erklärte Vilshofen die Lage:Die Kasatschihügel Sind wochenlang umkämpft worden, gingen von Hand zu Hand. Da sie nur Opfer kosteten, sind sie schließlich von beiden Seiten unbesetzt geblieben. Jetzt sind wir aber auch Höhe 126 jos, und wir müssen zurück, es bleibt nichts anderes übrig.

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