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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
80
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Katastrophe hinter sich her und war im ganzen eine fragwürdige Erscheinung! Die 3. I. D.(mot) hat in dem verfluchten Frontvorsprung so lange gesessen und sich an die dort vorhandenen Bunker geklammert, bis es nun zu spät war und sie in der Patsche drin saß!

Die 3.(mot) muß natürlich aus dem Sack heraus! Schleunigen Rückzug, was anderes gibt es in dieser Lage nicht! Mit der Liquidierung der Nase wird die 29.(mot) frei, die Schicken wir Damme! Im übrigen: Halten! Die Einbrüche bei der 44. und der 376. wieder bereinigen und halten!

Und im Süden?

129 zurücknehmen und halten Der Chef des Generalstabs der Armee hatte auf seinen Karten eine eingezeichnet⸗ rückwãrts gelegene Verteidigungslinie, mit dem KennwortVeilchen , und er hatte eine zweite noch weiter rückwärts gelegene Verteidigungslinie mit dem Kennwort Sonnenblume. Aber mit Ausnahme eines Befehls für die 3. I. D.(mot), die ohne- hin vom Rücken her umfaßt war und die sich auf der Flucht und in Auflõsung be⸗ fand, erteilte er keine Rückzugsbefehle. Die Veränderungen, die sich an den Fronten vollzogen, hatten sich an Ort und Stelle und in Blut und Auflõsung zu vollziehen. Es ging um keine Armee und auch um kein erreichbares Ziel einer Armee mehr, und es hätte nur noch um das Schicksal von 190 o000 Männern gehen können. Aber die aus dem Armeehauptquartier in alle Himmelsrichtungen, nach Bolschaja Rossoschka, Baburkin, Mowo Alexejewka, Karpowka, nach Woroponowo, Pestschanka laufenden Anweisungen, Befehle, widerrufenden Befehle betrafen nicht das Leben, sondern den Tod dieser Männer.

Die Divisionskommandeure saßen in ihren Bunkern, hockten an ihren Karten- tischen über Funksprüchen, Fernsprüchen, Fernschreiben, die ihre La's ihnen vor- legten. Der eine stützte den Kopf᷑ zwischen beide Fäuste, der andre hatte die Hãnde schlaff vor sich auf dem Tisch liegen, der dritte fletschte die Zähne, der vierte.. al⸗ fluchten, alle funktionierten, saßen mit ihren I a's zusammen, gaben Befehle aus, licßen ihre Befehle funken, tasten, durch ihre Ordonnanzoffiziere, Melder, Kraft- fahrer, Kraftradfahrer, Panzerfahrer nach vorn bringen. Finer war General Geest, er saß in einer Balka, wie die tief eingeschnittenen Schluchten hier genannt wurden, in der Nähe von Bolschaja Rossoschka. Sein Stabsquartier befand sich weit ab von der Front, und es war weiter entfernt von den bedrohten Stellen als alle andern. Doch er trug im Bunker den Stahlhelm auf dem Kopf und den Helmriemen herunter- geklappt. Wenn es zum Absetzen, zum Rückzug oder sogar zur Flucht kommen Sollte, befand er sich wieder am inneren Bogen der durchzuführenden Bewegung und ceshalb hatte er den Befehl bekommen, aus seiner Pivision eine Truppe, Infan- terie und Pak, abzuzichen und an die bedrohte Stelle hin?uwerfen. Und da seine in Wertjatschi aufgestellte und durch Hauptmann von Hollwitz geführte Alarm- kompanie noch immer außerhalb seines Divisionsverbandes kämpfte, ließ er noch- mals die Trosse und auch die Hauptverbandplãtze und Krankensammelstellen durch-

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