die m Bunker auch schon fünfzig Tage im Kessel saßen und fünf gmal e Hof- nungen hatten in Scherben gehen schen, sie lasen die Scherben auf und setzten sie zum einundfünfzigsten Mal zusammen. In etwa acht Tagen also würde man wieder mit normaler Post schreiben und seine Briefe wie gewöhnlich nach Hause schicken können! Und in etwa fünf Tagen, also um den 15. oder 16. Januar herum, falle die Entscheidung, und das sei so sicher wie Hitler der Führer ist und wie der Führer sein gegebenes Wort einlösen wird!
„Treue um Treue“ hatte Rieß gesagt.
„Schlimm ist es bei uns, aber im vergangenen Winter schließlich, im Waldaikessel, war es noch schlimmer, und doch sind sie rausgekommen!“ war dem Obergefreiten Fell eingefallen.
„Da will ich aber doch mal fragen, weshalb wir da am Pritten, wie es doch hieß, nicht durchgebrochen sind?“ hatte Altenhuden gesagt. Und Rieß:„Das brauchen wir nicht, wir bleiben, wo wir sind, wir werden rausgehauen!“
Und Rieß:„Wie die Führung mitteilt, werden wir spätestens am 26. 1. den Kessel verlassen köõnnen. Und natürlich gibt es Urlaub, zuerst die Kinderreichen, aber dann alle.
„Der Führer hat's gesagt!“. „Deswegen wanken und weichen wir nicht, keinen Schritt zurück, und wir wissen genau, daß wir wicder frei werden!“
„Und, Emil, ist das auch richtig, daß schon so ein Plan aufgestellt ist?“ hatte einer den Rieß gefragt.
„Ja, dieser Plan, daß wir alle mit dem Flugzeug gleich in die Heimat sollen...7“ Es war alles richtig, und mit Händen war es zu greifen!
So hatten sie um den Ofen herumgesessen, mit Haaren, die seit Wochen nicht geschnitten und vom Schmutz verfilzt waren, mit verwilderten Bärten, mit Augen, in denen der Hunger glänzte, und das Ende ihrer Leiden war nahe, und Schmerzen und Sterben sollten nicht umsonst gewesen sein; sie hatten die Festung Stalin- grad„verteidigt“ und ausgchalten bis zum Ende, bis zum Entsatz und bis zur an- brechenden Freiheit; und morgen werden sie Flugzeugpassagiere und Verwandelte sein, von den Frauen und Kindern und der ganzen Mation gepflegte menschliche Wesen,— es war alles richtig, denn in ihrem Bunker war der Rote Mond aufgegangen. Das war gewesen ehe Gnotke eintrat, und das war schon wieder zusammengefallen, als er sich zu den am Ofen Hockengebliebenen hinsetzte. Neben dem Ofen lag kein Holz mehr, es war alles verheizt. Das Feuer war niedergebrannt. Der rote Schein an der Decke wurde matter. Fell, der vom Beten als einzigem Mittel gesprochen, und Kalbach, der die Behauptung aufgestellt hatte, daß man noch lebe, lagen schon auf ihren Pritschen. Liebich und Rieß waren die beiden, die nicht zusammengerückt waren, als Gnotke neben ihnen Platz gesucht hatte. Sie konnten seinen nackten Blick nicht ausstehen. Und Gnotke seinerseits konnte nicht dafür, daß ihm die dũnnen Pa thaare am Kinn Liebichs wie angeklebt an ein Wachspuppengesicht erschienen,
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