über dem Kopf. es war da auch warm; der von den zusammengepferchten Leibern ausstrõmende Dunst ersetzte die Heizung.
Die Arzte Bäumler und Huth hatten jetzt eine verhältnismäßig„ruhige Zeit. Bis in den Dezember hinein hatten sie fünfzehn und zwanzig Stunden lang täglich am Operationstisch gestanden, und das Blut war umer ihren Füßen nicht mehr auf⸗ getrocknet. Von den Verbandfetzen, die sie den Verwundeten abwickelten, waren in grauen Streifen die Läuse auf ihre Operationsschürzen und ihre nackten Arme übergekrochen. Jetzt war der HV-Platz fertig eingerichtet— die Feldküche rauchte, die Eingänge wurden laufend aufgearbeitet und versorgt, soweit das Wenige, was getan werden konnte, Versorgung zu nennen war. Die Gehfähigen wurden weiter- deschickt, zur nächsten Ortskommandantur, wo sie auf einen LKW warten konnten, ger sie in Richtung Stalingrad nach dem Lazarett Gumrak mitnahm. Was aus der Masse der aus allen Gegenden des Kessels dort Eintreffenden werden würde, das wußten Bäumler und Huth nicht, das war nicht ihre Sache und das konnten sie sich auch nicht vorstellen. Die sitzfãhigen Verwundeten wurden auf Schlitten nach dem Flugplatz Pitomnik gefahren, um ausgeflogen zu werden. Die Schwerverwundeten blieben in der Mehrzahl der Bälle in den Hütten liegen, und bei der Beschränktheit der vorhandenen Mittel war ihr Schicksal schon an Ort und Stelle entschieden. Mitte Dezember wurde das Essen noch knapper, die zugeteilten Portionen noch kleiner. Der HVPlatz erhielt oft nur die Hãlfte der Mengen, wie die für die kãmpfende Truppe festgelegt waren, und so mußte ein Schlittenpferd nach dem andern geschlach- tet werden. Verwundete trafen in diesen Tagen wenige ein und fast keine Splitter- verwundungen von Panzer- und Raketengeschossen waren dabei. Bäumler äußerte sich einmal:„Vielleicht ist doch etwas daran, daß es mit den Russen zu Ende geht und daß sie auch nicht mehr können!“ Huth meinte allerdings eine andere Ursache für die abnehmenden Panzer- und Artillerieangriffe zu kennen.„Die Russen sind anderweitig beschäftigt; bei Kotelnikowo ist was los, mit Hooths Panzerarmee ist was los!“ Soweit ging er in seinen Andeutungen. Mehr als einmal, wenn er abends mit Bãumler zusammen im Bunker(der inzwischen von russischen Kriegsgefangenen gebaut worden war) zusammensaß, und sie sich im Schein der Lampe die Läuse abpflũckten und dazu den Wehrmachtempfänger eingestellt hatten, verspürte er Neigung dazu, auch im Beisein Bäumlers das Ausland einzustellen und Moskau oder London zu hören, doch hatte er immer wieder davon Abstand genommen. Wenn in dieser Zeit nun auch weniger Verwundete von der Front kamen, 8o waren dennoch tãglich eine Menge Neuankommender zu sichten. Eine eingehende Unter- suchung war indessen kaum vonnöten.
Die Männer anzusehen genügte— bleiche Männer waren es, die Körper Haut und Knochen, die Gesichter eingefallen; das einzige Ausdrucksvolle waren die Augen, geweitete traurige Augen. Alle schämten sich, daß ihnen, die doch erwachsene Männer waren, die Soße nur so an den Beinen entlanglief. Und die in den Augen zum Aus- druck kommende Scham, auch die schwachen weinerlichen Stimmen waren Sym-
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