Sudetenjunge, auch noch andere hatten Blut im Kot und der Kopf tat ihnen weh und der Bauch tat ihnen weh, und schlapp waren sie, daß sie sich nicht mehr rühren mochten; am schlimmsten war an diesem Tage der Remscheider , Georg Ketteler, dran. Er hockte in sich zusammengesunken an der Lehmwand und war den beiden anderen, dem Ewald Stüwe und dem Unteroffizier Urbas, die das Loch tiefer aus- zuheben hatten, um eine bessere Deckung zu haben, nur im Wege.
Stüwe versuchte, ihn aufzumuntern.
„Wenn der Hooth durchbricht, dann kommen wir hier raus aus dem Dreck!“ Ketteler hob nicht einmal den Kopf. —„Dann gibt's Urlaub, und danm kommen wir gerade zurecht nach Köln zum Karneval!“ Als Ketteler nun den Kopf hob und ein Lächeln versuchte, war es eine so elende Grimasse, daß Stüwe verstand, daß der andere den „Karneval“ für immer hinter sich hatte.
Noch am gleichen Tage blickte Stüwe dem Ketteler nach, wie er mit hängenden Armen und ganz langsam nach hinten wanderte und schließlich auf dem weißen
hincinmarschiert. Einmal waren sie gemeinsam auf Urlaub gefahren und zurück- gekehrt. Seite an Seite(und der dritte war Schorsch gewesen, der jenseits des Pons geblieben war) waren sie bis hierher gelangt. Stüwe blickte noch über das Feld, nachdem der andere schon eine Weile verschwunden war.„In die Hände gespuckt und weiter!“ sagte Unteroffizier Urbas, und fügte hinzu:„Den schen wir nicht wieder!“
Ketteler wurde mit anderen Kranken nach Dmitrewka geführt. Da in Dmitrewka kein Platz war, mußten sie weiter marschieren bis zum HV-Platz Otorwanowka. Auch dort war alles überfüllt, und vor dem Aufnahmehaus saßen eine Menge Soldaten. Ketteler setzte sich zu den anderen in den Schnee. Er saß da, bis die Lehmhütten vor seinen Augen versanken und an deren Stelle plötzlich die Reihe Einfamilien- kuser aus dem fernen Remscheid -Hasten dastanden; und er wußte auch nicht, daß Stunden vergangen waren, bis er aus uferlosem Dösen wieder erwachte. „Der nächste!“ hörte er den Sanitäter ärgerlich wiederholen, und sein Mebenmann mußte ihm erst anstoßen.
Er stand vor einem Oberarzt.
„Auch Durchfall?“ fragte der Arzt.
Ketteler schlug nur seine Augen auf— große blaue Augen, die getrübt waren und sehr traurig blickten.
„Krankenstube§!“ sagte der Arzt.
Jetzt erst wachte Ketteler auf.„Komm ich also doch noch mal unter ein Dach. Ich danke Ihnen, Herr Doktor!“
„Sie sind wohl aus Remscheid ?“ fragte der Arzt, der es an der Aussprache hörte.— „Ja, aus Remscheid -Hasten.“—„Nun, dann gehn Sie mal, wärmen Sie sich erst mal auf, Ketteler!“
Ketteler wurde in eine der Lehmhütten geführt, und er hatte nicht nur ein Pach
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