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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
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einer Soldatenfrau und noch mehr mit dem Mann dieser Frau gehabt, der eine dem Gimpf gehörige Militãrdecke und eine Zeltbahn in seiner Wohnung gefunden haben vollte und ihn wegen Diebstahls an Militäreigentum und dabei nebenher wegen Bhebruchs denunziert hatte. Gimpf war an die Front geschickt worden, und im Winterfeldzug in der Gegend von Shisdra war er bei einer Gelegenheit gestolpert. Das war aber nur der halbe und der unwichtigere Teil der Geschichte, denn noch vor Shisdra war er bei Wjasma oder in Wjaema gewesen, und dort war etwas ge- schehen. Was das war, wußte Gnotke nicht. Das konnte er aus Gimpf nicht heraus- bekommen. Gimpf schwieg darüber; er war überhaupt wie ohne Sprache und meistens ãußerte er sich nur in kurzen Ausrufen, die Kälte, oder Hunger oder irgend- welche körperliche Zustände betrafen.

Vie hieß sie also, die da in München ? zapfte Gnotke ihn wieder einmal daraufhin an. Gimpf blickte ihn nur an aus blauen und abwesenden Augen und beugte sich wieder über seine Arbeit.-Liese, meine ich!Ja, Liesa!Und als der Mann plõtzlich auf᷑ Urlaub nach Hause kam..Ja, der kam!Da hat er sich also die Bilder von dir und von ihr, die Photos, die da an der Wand hingen, angeguckt! Das hat er!Und hat dich angepumpt, hat Geld von dir verlangt, das war ja ein richtiger..Ja, und auch die Uhr habe ich ihm gegeben!S0, hast du, und reingelegt hat er dich nachher doch?Das hat er!Und du kamst an die Front, und mit der Lauf bahn war es aus.War aus!Und dann warst du in Wjasma...

Das war der Punkt, und Gimpf schwieg, er gab auch keine einsilbigen Antworten mehr; darüber hinaus kam Gnotke mit ihm nicht. Gnotke sprach über seine eigenen Angelegenheiten:Bei mir im Porfe war eine, die hieß Paula, wir waren Nachbars - kinder... Ja, die Paula, und sicherlich hatte sein früherer SA-Kamerad, der Feld- webel Riederheim, derselbe, der ilm ins Strafbataillon gebracht hatte, sie nun ge- heiratet. Es war eine lange und verworrene Geschichte. Gimpf indessen interessierte sie nicht, er hörte nicht einmal zu, und Gnotke brach seine Erzählung wieder ab. Auch Hooth und die anrũckende Panzerarmee interessierte Gimpf nicht; daß der Ottakringer alle paar Minuten aus der Hose mußte, sich über seinen Spaten hockte, und daß dann Blut auf dem Spaten Lehm war, den er in den Schnce hinauswarf, das ging hn nicht an; und daß der Remscheider im Nachbarloch schon so weit war, daß er überhaupt nicht mehr aus der Hose herausging und nur noch gekrümmt dahockte und ihm alles egal war, auch das ging ihn nicht an. Vielleicht waren sie krank und viclleicht starben sie, aber Sterben war ringsherum. Daß der Oberge freite aus Dmitrewka zurückgekommen war und nur die halben Verpflegungsportionen mitgebracht hatte, auch das focht ihn nicht sehr an. Es bedeutete Hunger, aber auch Hunger war ringsumher, und es war nichts anderes zu erwarten. So einer war der Gimpf, er war wie ein Topf, der irgendwo und irgendwann einmal einen 810ß und einen Sprung abbekommen hatte und der nun nicht mehr tömte.

Es war aber nicht nur der Ottakringer und nicht nur der Remscheider , auch dr

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