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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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kein einziger Mann mehr unterzubringen. Kein einziger Mann mehr, ich kann es nicht ändern! erwiderte Bauske und legte sofort den Hörer auf. Er war im Begriff, das thehen Gespräch fortzusetzen, und er sagte:Ja, was können wir da machen. als der Fernsprecher wieder klingelte. Diesmal war es der Kommandant des Gefangenenlagers, und Bauske antwortete ihm:Aber, hören Sie: Befehl: die Russenbunker sind zu räumen!... Nein, nicht in den Pferdestall, der wird eben- falls gebraucht. Mun, was kann ich machen, ich kann daran nichts ändern. Ja, sobald es sich machen läßt, sollen sie abtransportiert werden!

Von Bauske wandte sich wieder den anderen zu. Er blickte seinen Kommandeur, General Geest, an:Ja, was bleibt uns zu tun übrig, wenn die Russen uns hier ein- schließen?

Geest hatte darauf keine Antwort. Gönnern sah aus, als ob er angestrengt nach- dãchte. Damme betrachtete die Asche an seiner langsam abbrennenden Zigarre. Vennekohl dachte an seine Frau und sein achtjähriges Töchterchen, von denen er Photos in der Brusttasche trug, und er sagte:Mit Frau und Kind in die Luft spren- gen, is ja ein reizendes Thema!

Bauske aber sagte wie ein Sachwerständiger:Im Kampf zwischen Slaven und Ger-

manen tötet der unterliegende Teil sich immer selbst! Nun Pfarrer, wat mein' denn Sie dazu? wandte Vennekohl sich an Der Pfarrer hatte eine Reihe Argumente gegen den Selbstmord, die er vorbrachte. Er rief bei Bauske nur ein nachsichtiges Lächeln hervor, und nicht nur bei Bauske. Die Herren waren aber doch froh, als das Gespräch unterbrochen wurde. Der Erste Generalstabsoffizier brachte seinem Kommandeur Meldungen von der Front. Nach- dem Geest gelesen hatte, sagte er:Unerhört schwer, aber wir halten. Was aber die Lage drüben anbelangt, so ist sie võllig undurchsichtig. Wenn jener Vilshofen nicht an der Golubaja stände, wäre unser Brückenkopf schon nicht mehr zu halten! Der Ia hatte noch etwas, einen Funkspruch von der Armee, Geest las und reichte das Blatt schweigend weiter. Der Inhalt dieses Funkspruches machte für eine Weile ie sich am anderm Ufer aufrichtende Gefahr vergessen. Auch Vennekohl hatte ge- lesen, er putzte sein Einglas, klemmte es ins Auge und betrachtete der Reihe nach Gönnern , Damme , den Ia, Bauske, den Pfarrer. Gönnern , Sie kennen doch Jeschichte jiht et dafür eijentlich Beispiele?Ja, Waldai und Cholm!Der Waldaikessel und der Cholmkessel im letzten Winter, nu, da is auch nich allet jlatt jejangen; aber vorher mein' ich, in der Kriegs- jeschichte?Nein, gibt es nicht, außer in einigen Fällen des Festungskrieges! Ich meine auch, dat et immer Jrundsatz jewes'n is, sich aus einer Einschließung rauszuhaun! Michts als raus aus der Falle, das ist doch ganz klar! meinte auch Damme , und er dachte nicht daran, daß vor einer Stunde, als ihm die gleiche Taktik als eine Kuße- rung des Obersten Vilshofen wiedergegeben worden war, er sie alsStarken Tabak bezeichnet hatte.

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