Druckschrift 
Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen

.

1

. EN

,

dem Herrn Hauptmann, wie es sich zugetragen hat. Sie müssen nämlich wissen, das Mehl war auf der andern Ponseite eingelagert, Hauptmann von Hollwitz! Ich komm also mit einem Zug Schlitten hin, und das Lager brennt. Aus dem Dach schlagen schon die Flammen, ein Leutnant hatte den Befehl zum Anzünden gegeben; mehr habe ich nicht erfahren können! berichtete Feldwebel Pöhls.Sehn Sie, so geht es da zu, und unser schõnes Mehl! sagte der Intendant und ging dann weiter. Hauptmann von Hollwitz blieb indessen nicht lange allein. Diesmal war es der seit einigen Tagen als Gast bei der Division weilende Pfarrer der 376sten, der bei ihm eintrat und ihn bei einer ihm sehr dringlich scheinenden eschäftigung störte. Was gibt's Meues, Herr von Hollwitz, wird hiergeblieben oder abgerückt? fragte der Pfarrer. Von Hollwitz zuckte die Achseln. Er wollte sich nicht länger von seiner Beschäftigung abhalten lassen; seine Hände gingen durch Papiere, Privatbriefe, auch Photos. Der Pfarrer bemerkte auch die geõffnete Ofentür. Er begriff, daß von Hollwitz beim Sichten und Verbrennen seiner Privatpost war; er begriff auch, daß er hier im Moment nicht gewünscht war und daß der andere ihm los sein wollte. Aber schließlich diese nervös durch Papiere fahrenden Hände waren auch eine Antwort auf die Frage nach der Frontlage. Der Pfarrer ging weiter. Er hatte sich während seines Aufenthaltes hier in der fremden Division nützlich gemacht und er brauchte jetzt vom I b die Gestellung eines Arbeitskommandos zum Ausheben von Massengräbern, und vom IVa wollte er eine Anweisung auf Brot erlangen, um es an die vor dem Feldlazarett auf den Wagen liegenden Verwundeten verteilen zu können. Auf dem Gang traf er einen Obergefreiten der Stabskompanie, den er ebenfalls bereits mit Namen kannte und der zur Zeit Melder bei der zu- Sammengeworfenen Truppe auf der anderen Ponseite war. Nun, Rieß, wie sieht's da drüben aus? fragte er. Bei uns greifen Kosaken an. Verstärkung brauchen wir, sonst geht's. Aber bei uns im Rücken, beim Machbarn, da ist eine Kampfgruppe von einem Panzeroberst, da ist der Teufel los! erwiderte der Obergefreite. Der Pfarrer trat beim Adjutanten, einem Major von Bauske, ein; und hier bei Baron von Bauske befand sich auch der Divisionskommandeur, der mit Gönnern , Damme und Vennckohl aus seinem eigenen Zimmer und dem Kommen und Gehen dort geflüchtet war. Baron von Bauske führte das Wort. Thema: Selbstmord in aussichtsloser Lage. Er erzählte eine Geschichte aus seiner Heimat, aus Rakwere in Kurland , wo im Jahre 1625 von Russen eingeschlossene Deutsche sich mit Frauen und Kindern in die Luft gesprengt hätten; und er wußte noch andere ähmliche Beispiele. Das Telefon klingelte, es Kingelte übrigens fast ohne Aufhören. Ein über den Pon gekommenes Regiment suchte seinen Kommandeur; außerdem wollte der Adjutant wissen, wo er mit seiner Truppe Unterkunft bezichen könnte.In Wertjatschi ist

* 35