eine der Baracken der Bewachungsmannschaften freigemacht, und für die so quartier- los gewordenen Bewachungssoldaten mußten einige Bunker der Kriegsgefangenen geräumt werden. Als nachher Damme eintraf und ebenfalls Quartier verlangte, hatte Gönnern eins der ihm angewiesenen Zimmer abzugeben und auch die zweite Mann- Schaftsbaracke des Lagers wurde freigemacht, und es wurde befohlen, jetzt auch die Krankenbunker des Gefangenenlagers räumen zu lassen.
Dabei waren der Kommandeur Geest und sein Stab mit anderen Dingen voll be- schäftigt. Die eigene Lage erforderte angespannteste Aufmerksamkeit. Da waren diese rückmarschierenden Pivisionen; aber dahinter drückten die Russen. Am eigenen Abschmitt schwere Angriffe, und es gab Einbrüche. Abriegelungen wurden nötig, und stündlich waren neue Maßnahmen erforderlich. Ein am gleichen Tage vor- getragener russischer Panzerangriff hatte abgeschlagen werden können. Einzelne Wagen jedoch waren bis an die Hütten von Wertjatschi und bis hinein in die Straßen des Ortes durchgebrochen. Der Westen, gestern noch tiefstes Hinterland, war über Nacht zur Front geworden. Jenseits des Don, bei Perepolni, hielt die sich absetzende Nachbardivision noch eine Riegelstellung nach Morden und bei Lutschenski hielt die eigene Division gegen von Süden angreifende feindliche Kavallerie einen Brückenkopf; und nur solange jene Riegelstellung und dieser Brückenkopf noch hielten, war der Ubergang der geschlagenen Truppen über den Don noch möglich.
Im Nordosten Einbrüche, im Westen Kampf mit„verkehrter Front““, jenseits des Don eine Bauabteilung und zusammengeworfene Truppen im Kampf gegen Panzer und Kavallerie, noch weiter westlich auf den Golubajahöhen Kampfgruppen wie jene plõtzlich erstandene eines Obersten Vilshofen , der behauptete, sich nicht lõsen zu können, ohne einen ganzen Dammbruch nach sich zu zichen, und dessen Adjutant eben da war, um von der rächstliegenden Division SPrit, Munition, Verpflegung und alle mõgliche Hilfe zu erlangen, außerdem Flüchtlinge aus dem Süden, die wilde Geschichten über russische Panzer in den Straßen von Kalatsch erzählen; 80 präsentierte sich dem Kommandeur die Lage.
An die Flüchtlingsgeschichten aus Kalatsch dachte auch der einige Zimmer weiter sitzende Hauptmann der Stabskompanie, Hauptmann von Hollwitz. Einander wider- sprechende Befehle, mein Gott, die gibt's auch hier am Ort bereits in Menge. Und was das Eingreifen der Zivilbevölkerung in die Kämpfe anbelangt, mit Beilen, mit Küchenmessern, mit kochendem Wasser, das hört sich fast wie Goebbels-Propa- ganda an; aber immerhin, man kann sich auf manches gefaßt machen! Und über- haupt heißt es aufräumen. Leichtes Gepäck ist in solchen Zeiten ratsam!
Der Intendant trat bei ihm ein. Der Intendant suchte eigentlich den Verpflegungs- offizier, hielt sich aber doch einen Moment lang auf, er sagte:„Das Mehl ist also futsch, Herr Hauptmann. 60 Tonnen, stellen Sie sich das vor e
Hauptmann von Hollwitz stellte sich gar nichts vor, und er verstand auch nichts 5 das begriff auch der Intendant. Er rief den Feldwebel Pöhls herein:„Erzählen Sie
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