Druckschrift 
Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
  

diesmal nach rückwärts, wieder in Bewegung setzten. Danach sagte er seinem eigenen Fahrer, daß er zum Stab der im Orte liegenden Infanteriedivision nachkommen sollte. Er selbst stieg aus, ließ seinen in einem Korken von Pferden, Wagen, Menschen und Schlitten feststeckenden Wagen zurück und setzte seinen Weg zu Fuß fort. Einen Soldaten fauchte er an:Wie heißen Sie, von welchem Truppenteil? Können Sie Ihre Knochen nicht zusammenreißen, weshalb grüßen Sie Ihren Vorgesetzten nicht?

Auf der Straße erblickte er einen Hauptmann, der am Stock vor ihm herhumpeite. Hallo, Tomas! Woher?Eben daher, wo auch Herr General herkommen! Was ist mit dem Bein?Haben mir die Russen verpaßt, ist nicht weiter schlimm; ich muß das rauszichen lassen! Hauptmann Tomas war nicht allein. Ein junger Leutnant war bei ihm, der Adjutant Vilshofens. Tomas stellte vor:Leutnant Latte! Und wo ist Vilshofen ? fragte der General.

Der Herr Oberst ist drüben beim Haufen!

Leutnant Latte blickte zurück, zum Don und über den Don hinüber.Und ich suche das Korps, den Chef muß ich finden, Oberstleutnant Unschlicht. Vielleicht können Herr General mir einen Anhaltspunkt geben!

Entweder hier oder in Peskowatka muß er meiner Meinung nach zu finden sein. Ja, eine ganz große Schweinerei! Und was meint Vilshofen dazu?

Herr Oberst meint, daß wir uns in verkehrter Richtung bewegen, daß im Gegen-

teil die Armee sich nach Westen bewegen müßte und das aufs schmellste der Wiederanschluß an die deutsche Front anzustreben sei, auch unter Aufgabe von

Stalingrad! Stalingrad aufgeben! Es war Tomas, der das ausrief. Ja, ein starker Tabak, aber so ist Vilshofen ; er geht immer aufs Ganze! Was anderes gäbe es in dieser Lage kaum, meint der Herr Oberst! Ein starker Tabak! sagte General Damme noch einmal, und damit verabschiedete er sich von den beiden Herren. Bald danach hatte er ein bekanntes Gesicht vor sich, das seines Divisionspfarrers, den er schon vor Tagen vorausgeschickt hatte. Hallo, Pfarrer! Nun, was gibt es, und was treiben Sie hier in diesem Durcheinander? Habe heute morgen hier in Wertjatschi Gottesdienst abgehalten, dann war ich in Peskowatka, Herr General. Aber da sah ich beim Aussteigen schon, daß in dem Wirrwarr kein Gottesdienst mehr möglich war. Der Hof des Feldlazarettes voll- gestopft mit Krankenwagen, eine ganze Völkerwanderung, von Süden her und auch über die Brücke bei Lutschenski sind sie hergekommen... Da also auch? Unser schönes Peskowatka ist nicht wieder zu erkennen. Herr General kennen doch Peskowatka wie es war?

Und cb er es kannte(gelegentlich einer Besprechung von Divisionskommandanten wa er dort gewesen) und ob es ihm nicht aufgefallen wäre, wie gemütlich sie sich dot eingerichtet hatten! Es war anders als der Ort seines Stabsquartieres auf der

31