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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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verwalter aus Leipꝛig, ein Unteroffizier und Strafsoldat und früher SA-Mann aus Klein-Stepenitz in Pommern , noch ein Strafsoldat und Bauernsohn aus Alten-Affeln im Sauerland der Soldat stand am Geländer der Brücke und sah, wie der General im Kübelwagen und das Gefolge von Achttonnern vorbeizog. Der Himmel lastete

tief auf᷑ dem Land. Der Wind rollte Schnee über die Flußdecke, trieb ihn in Wellen

gegen die Brücke, warf den Männern Händevoll ins Gesicht und überpulverte die Mähnen der Pferde. Die Soldaten standen da, bis der Stabszug vorbeigerollt war, dann schwenkten sie wieder ein und trieben im Zuge weiter. Sie gelangten nicht mehr weit. Die da beieinander gestanden hatten, wurden, als sie von der Brücke herunterkamen, von einem Auffangkommando aufgehalten.Stehenbleiben! Von welcher Truppe? hieß es, und dann:Los, mitkommen! Ohne Tritt, marsch! Und der Strom trieb weiter.

Wieder traten die Feldgendarme mit den umgehängten Blechschildern auf, wieder war es ein General und Kommandeur einer Infanteriedivision, für den sie Platz schafften. Der eine, der im Kübelwagen, war ein mittelgroßer Mann, hatte helle Augen und rõtlich schimmerndes Haar, das aus dem aufgeklappten Pelzkragen und unter dem großen Mützenschirm aufscheinende Gesicht Sah wie nach Nächten einer schweren Ausschweifung aus; die letzten Nächte õstlich Kletskaja Alarmmeldungen, ausbleibende Befehle, widersprechende Befehle, Meldungen über durchgebrochene feindliche Panzer, zurückgelassene Versorgungslager, gesprengte Geschütze hatten ihre Schatten auf dem Gesicht hinterlassen. Der andere, der im PKW, war gedrungen und klein, das Gesicht braun, wie verwittert und mürbe wie das eines Zwerges. Der eine war ein bekannter Draufgänger, war langen Erwägungen abhold, war ein Prak- tiker und Realist. Der andere, aus der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Heeres zur Armee kommandiert, wer vorsichtig, war abwägend, ein Theoretiker und Ideo- loge. Der eine hat auch während des Krieges verstanden,(er ist kein Kostverächter, geht den Frauen nicht aus dem Wege, liebt Kumpane um sich), sein Leben zu leben; der andere kann der Geselligkeit auch entraten und hat auch während des Feldzuges Seine Studien und schriftstellerischen Arbeiten fortgesetzt und eine Reihe Abhand- lungen über das Mitteleuropaprojekt, über Probleme und Engpässe des Blitzkrieges, hat Lagebilder, Perspektiven, Plaudereien für Zeitschriften, auch für den Rund- funk, geschrieben; und während der eine aus dem Untergang õstlich Kletskaja einige Mille Zigarren gerettet hat, führt der andere ein aus seinem Stabsbunker geborgenes umfangreiches Manuskript mit sich, betitelt:Auf der nördlichen Vormarschstraße zum Kaspischen Meer (die gedachte südliche Route war die über Kairo , den Suez- kanal , Kleinasien ). Der eine war Generalleutnant Damme, der andere war General - major Gönnern; wenn Generalleutnant Damme mit einem Blick aus seinen hellen Augen eine der Gestalten am Wege umfaßte, dann sah er schr genau und bemerkte er alle Finzelheiten, das graue Gesicht, den verdreckten Mantel, das schlechte Schuhwerk, das Fehlen einer Handwaffe, in anderen Fällen der Decke, sogar des Kochgeschirres; er bemerkte an Rockaufschlägen die Abzeichen einer Abteilung

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