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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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Drei Brücken führten über den Don hinüber.

Eine bei Perepolni, die lag von Norden her unter russischem Artilleriefeuer; die andere bei Lutschenski, sie war von Süden her von russischen Panzern und Kavallerie bedroht; die dritte bei Akimowski, und diese in der Mitte gelegene Brücke war be- Schädigt, der Mittelbau war eingebrochen, aber durch untergeschobene Pontons und aufgelegte Balkenlagen war auch dieser Teil wieder begehbar und befahrbar gemacht worden. Als die beiden Kölner , der Rerscheider und Gnotke und Gimpf, nachdem sie in Werchnaja Golubaja den Korpsstab hatten abzichen schen, hier angekommen waren, hatte der Mond noch am Himmel gestanden. Sie hatten den vereisten, von Schnee überwehten Strom in den Tag hineinwachsen sehen, eine heranziehende wüste Bläche, und das gegenüberliegende Ufer war eben Sumpf und Treibsand und weit einzuschendes offenes Gelãnde, und Wertjatschi, ebenso Peskowatka, weiter- hin Sokarewka, die Ortschaften am anderen Ufer, lagen jedem Zugriff offen.

Zu beiden Seiten der Brücke, auf der Uferbank an der Westseite und ebenso auf dem flachen Grund an der Ostseite staute sich die wartende graue Masse, Mann und Pferd und Wagen und Geschütz. Nur zur Brücke hin und auf der anderen Uferseite von der Brücke weg zeigte sich in der Masse eine Bewegung, und auch dort in diesem Schmalen fließenden Kanal ging es nur ruckweise vorwärts. Der Fluß war nur so weit gefroren, daß er ein Kind oder eine Amahl Kinder hätte tragen können. Lastkraft- wagen, die sich hinaufgewagt hatten, waren noch in Ufernãhe eingesunken, und Männer, welche den gleichen Weg versucht hatten, waren weiter draußen einge- brochen und unter dem Fis verschwunden. Offiziere und Feldgendarme unrasiert, ungewaschen, ohne gefrühstückt zu haben ordneten den Verkehr, schrien, gestiku- lierten, stemmten sich von Zeit zu Zeit gegen die Flut von Menschen und Pferden,

um einen Kübelwagen, einen PKW auch manchmal einen Autobus durchzuschleusen,

einen höheren Offhier, auch Gruppen Offiziere, Stäbe von Infanterie- und Panzer- divisionen, Offiere und Beamte von Verpflegungsämtern, von Bautruppen, von Rückwärtigen Diensten.

Und weiter zog der Strom.

Infanterie, Artillerie, Panzer, Flakabteilungen, Reiter mit hohen Lammfellmützen, das waren Offhiere des W. und V. rumänischen Korps. Die Infanterie aus dem Durchbruchsraum kam teilweise in ungeordneten Haufen an und Artilleristen und Panzerleute wie die Infanteristen zu Fuß. Geschütze und Panzer hatten sie auf dem Wege zurückgelassen, gesprengt oder auch nicht gesprengt; und andere, tagelang durch das Land geschleppt, waren hier an der Brücke oder vorher auf dem Sammel- platz stehengeblieben und hinderten jetzt den Verkehr. Die Bedienungen trieben ohne Panzer und Geschütz zum anderen Ufer hinüber. Es folgten Pferd an Pferd und Rad an Rad und Achse hinter Achse in langen Zügen Gefechts- und Verpflegungs- trosse, Munitionswagen, Feldküchen, Sanitätsfahrzeuge, wieder ein Kübelwagen mit einem Gefolge von einigen schweren Achttonnern.

Im Kübelwagen saß ein General, der Kommandeur einer Infanteriedivision. Mit

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