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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Place and Date of Creation
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Vilshofen hatte seinen Kübelwagen stehen lassen müssen und die letzten Kilometer seines Weges zusammen mit seinem Adjutanten Latte zu Fuß zurückgelegt.

Ein anderes Gesicht in dem durch das Golubajatal treibenden Menschenbrei war der Strafsoldat August Gnotke und er hatte den Strafsoldaten Gimpf bei sich. August Gnotke war eine Hand erschienen, das war einen Tag vorher gewesen. Die Hand und die Frau, das war natürlich Pauline, und das Gewölk aus weichen Feder- betten war Paulines Bett. Er kannte es, auch den Alkoven in Klein-Stepenitz, in dem es stand. Aber was ging sie ihm noch an, denn sicherlich hatte sie nun den anderen geheiratet. Aber gleichviel eine Frau konnte ihm erscheinen, wenn er so im Dunst danintappte, also war wohl doch nochetwas in ihm und war wohl doch noch Hoffnung, und so hatte er seine ersten Schritte zurück ins Leben gemacht.

Er hatte Gimpf aus dem Loch herausgeholt und sich mit ihm zusammen auf den Weg gemach. Mit Gimpf allerdings hatte er kein Gſück und aus dem waren keine Fun- ken zu schlagen.Feldwebel Aslang! hatte er zu ihm gesagt.Hubbe hatte er zu ihm gesagt.Dinger! hatte er zu ihm gesagt. Nun, da sie doch miteinander sprechen konnten, hatte er eine Kußerung von Gimpf haben wollen; der aber hatte ihn nur angeschen aus seinen toten Fischaugen und war stumm geblieben. Aslang, Hubbe, Dinger sie waren dahinten geblieben und waren wohl num tot, was gingen sie ihm also an! So waren beide danm ohne Worte über das mondbeschienene Feld gewandert. Einmal hatten sie sich hinwerfen müssen und hatten dagelegen, bis ein plõtzlich aufgetauchter und vorbeistiebender Kosakenspuk wieder im Schmee ver- schwunden und auch das Dröhmen der Hufe nicht mehr zu hören war. Ein andermal hatten sie einen Trupp Gestalten durch die Nacht zichen sehen, und da Gnotke nicht wußte, ob es sich um eigene Leute oder um Russen handelte, hatte er Gimpf wieder zu sich an den Boden gezogen; und das hatte sich noch einige Male wiederholt, bis sie schließlich ein Erdloch fanden und sich dort verkrochen. In diesem Loch waren sie in so tiefen Schlaf gefallen, daß sie gar nicht bemerkt hatten, daß es sich allmãhlich mit anderen Versprengten anfüllte.

Die Russen kommen! Erst als dieser Ruf aufhallte und neben ihnen plötzlich Leute auffuhren und alle davonstoben, wachten sie wieder auf. Sie beide aber waren sitzen geblieben. Am Funkeln von zwei Brillengläsern, die sich im Finstern seinem Gesicht näherten, bemerkte Gnotke nach einer Weile, daß noch einer, der nicht da- vongelaufen war, sich neben ihnen befand.

FEuch ist wohl auch alles egal? wurde Gnotke angeredet.

Bigentlich nicht, gerade jetzt... erwiderte er.

Gerade jetzt, verstand der Mann zwar nicht, der im Dunkeln vom Gesicht Gnotkes nur e inen Schein und von dem an der Wand hockenden Gimpf nur einen Schatten, aber sonst nichts, was die beiden als Strafsoldaten kenntlich machte, wahrnehmen konnte.

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