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war erschienen auf tänzelndem Pferd mit spiegelnd blankem Fell, am Ende der Straße ein zweiter, ein dritter Reiter, in der Morgenluft Wiehern. Er hatte nicht an sich halten können(er war aus dem Stalingrader Fabrikviertel gekommen) und zu seinem Adjutanten, dem Leutnant Latte, gesagt:„Latte, sowas haben wir allerdings schon lange nicht mehr gesehen!“ Nachher hatte er ein Frühstück eingenommen, zusammen mit den Herren des Stabes, die in langer Hose gekommen waren; danach hatte er mit dem Chef des Korps und dem Artilleriekommandeur des Korps, einem Oberstleutnant Unschlicht und einem General Vennekohl, Seinen Finsatz besprochen und sich gelegentlich dieser Besprechung nicht genug über die optimistische Lage- einschätzung der beiden gut ausgeschlafenen Herren wundern können. Das war das erstemal gewesen, als er mit seinen achtundzwanzig Panzern Gie anderen lagen bei Stalingrad in Reparatur) seines Weges gezogen war. Das Zweitemal, als er nur noch sechs Panzer und die auf der Straße aufgelesene Truppe hinter sich hatte, als er heruntergekommen war, um für seine zusammengeworfene Truppe Verpflegung, Munition, Brennstoff zu erlangen, in einem Moment also, da die Riegelstellungen der zurückgeworfenen Infanterie bei Orexowski, bei Logowski schon brachen, hatte er Oberstleutnant Unschlicht aus der Morgengymmastik herausrufen lassen müssen. Oberstleutnant Unschlicht war dann allerdings von den Breignissen aufs höchste beeindruckt gewesen; allerdings hatte er, und als Generalstäbler und Chef war er darin wohl im Recht, das von Vilshofen Geschene und ihm zu Gchör Gebrachte nicht verallgemeinern und nicht sehr hoch in Rechnung stellen wollen, und war der einung gewesen, daß die Golubajahöhen gehalten würden, und die bereits zum Entsatz heranrollende 16. und 24. Panzerdivision schien ihm zur Frreichung dieses Zieles und zur Wiederherstellung der Lage mehr als ausreichend zu sein. Der gleichen Meinung war auch der Artilleriekommandeur, General Vennekohl, und er hatte ge- sagt:„Mensch, wat glauben Sie, wat dat bei den Russen Kleinholz geben wird, wenn die 16. und 24. P. D. dazwischenfahren!“ Was Vilshofen , der eine abweichende Meinung geäußert hatte, indessen die Haupt- Sache war, so hatte er weder Verpflegung noch Brennstoff für seine improvisierten Haufen erhalten können, und mit leeren Händen hatte er sich wieder auf den Weg machen müssen. Und das war in der Tat, was den Zusammenbruch im Ponbogen anbelangte, fünf Minuten vor zwölf gewesen. Schon auf dem Rückweg hatte er Bilder eines napoleonischen Rückzugs vor Augen gehabt. Rumänen mit und ohne Waffen, zu Fuß und zu Pferd, deutsche Infanterie, Pioniere, Bautruppen, Trümme von Sanitãtskompanien, führerlose Haufen, Versprengte und Elüchtende, so leckte es von den Golubajahöhen hinunter ins Tal und überkrustete und durchsetzte dort auf dem Marsch befindliche Kolonnen Rückwärtiger DPienste. Von allen Wegen und aus allen Schluchten rann es herunter, einzeln und in Gruppen, auch in großen Haufen, und nach Stunden war es ein Strom- pferdebespannte Bauernwagen, Panzer- Spahwagen, Artillerie, Infanterie— der sich durch die eng beieinanderstehenden Talwände preßte. Gegen den Strom war zuletzt kein Ankommen mehr gewesen.
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