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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
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Schen, das galt was die Ubungen im großen Verbande anbelangte, noch mehr für die zur Hãlfte aus deutschen und zur anderen Hãlfte aus franzõsischen Beutebeständen Zusammengekratzte rumãnische Panzerdivision, die bisher noch nicht im Feuer ge- standen hatte.

Vilshofen rief Seinen Adjutanten(er hatte vernommen, daß auch der sich erhoben hatte):Latte... ich habe da noch einen Vorrat an Zigaretten; nehmen Sie bitte einige Pãckchen und bringen Sie sie unserem Reparaturtrupp und erkundigen Sie sich nach dem Stand der Arbeit!

Ja, wie gesagt, wenn hier auf den flankierenden Höhen genügend schwere Artillerie wäre! wandte er sich wieder an Buchner:Aber ich habe dort nichts als einige im letzten Moment vorgezogene Flak- und Mebelwerferabteilungen und pferdebespannte Feldgeschütze zu Gesicht bekommen!

Oben ging die Tür. Ein Stoß Schneeluft fuhr herunter, und die Todstille wurde wieder vernehmbar. Zwanzig Panzer, dachte Vilshofen , und die zwei werden fertig werden, Zweiundzwanzig werde ich zum Finsatz bringen können!

Auch im Graben der Strafgefangenenabteilung wurde die ungewöhnliche Stille empfunden. Gnotke hätte die Tropfen zählen können, die von den Deckenbalken herabfielen. Der Posten mit Stahlhelm und aufgepflanztem Seitengewehr, der gleich einem düsteren Monument den Eingang zu der Erdhöhle verstellte, tat es vielleicht. Gnotke zählte schon seit langem keine Tropfen mehr, doch die Stille empfand er wie einer, der plõtzlich das Ticken der Uhr im Zimmer nicht mehr vernimmt. Er blickte über die Reihe der ausgestreckten Gestalten weg, an ein halbes Hundert waren es, die tief verkrochen in ihrem Elend dalagen. An seiner Seite lag Gimpf, der schlief mit offenem Munde.

Gnotke lag wach bis zum Wecken. Dann gab es ein Stück Brot, ein Kochgeschirr voll Kaffeebrühe, und man befand sich auf dem Wege zum Arbeitsplatz, es war noch vor Tagesanbruch. Aslang und auch Hubbe und Dinger blickten sich befremdet um, nach Norden hin, wo sonst die russischen Batterien tätig waren, auch über das Sumptgelände weg in der Richtung zum Don und in den wallenden Nebel hin- ein, wo seit Wochen Knattern und Kampfgetöse zu hören war und wo jetzt die Stille lauerte wie ein alles verschlingendes Loch.

Sie nahmen ihre Traggestelle auf und begannen ihren gewöhnlichen Trott. Und doch war alles ungewöhnlich. Auch das, und es war wie ein Traum es war sogar ein wirklicher, ein vollkommener Traum, der Gnotke, wie er da mit hängenden Armen in den Dunst hineinschritt, umspann. Was war das, wo kam das her, was brach da auf! Eine Hand, eine Frauenhand eine ruhende Gestalt, die Glieder, das Gesicht, alles verhüllt, die Form nur zu ahmen, wie bei einer halbverschütteten Soldatenleiche. Hier war die Hülle nicht Lehm und Erde, war ein Gewölk aus wei- chen Decken. Und sie lag nicht allein da; sie lag bei einem andern, nur ihre Hand war zu sehen, und diese Hand kannte er.

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