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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Untergang pestimmteꝰ In Wirklichkeit würde niemand sein Leben einbũßen. Aber die Maßnahmen der Betriebsleitung mußten wört- lich erfüllt werden. Michael redete weiter, ohne zu wissen, daß es kein Zurückweichen mehr gab, selbst wenn man es in diesem Augenblick gewollt hãtte. Denn niemand konnte dem Posten am Judentor das Leben zurück- geben. Dieses Leben aber konnte nach deutschen Vorstellungen Begriffen nur mit der Vernichtung der gesamten Judenstadt gesühnt werden. fuhr fort, der Menge seinen Willen entgegenzuhalten. Es war der eigensinnige Wille eines Menschen, dessen Verbissen- heit keine Grenzen kannte.

Aus dem Wege! wurde halblaut gerufen.Fort mit dir! Regen begann niederzugehen. Man sah ihn nicht. Aber der Wind trieb seine Schauer den Wartenden ins Gesicht. Michael wich nicht. Die Zähigkeit, die sein ganzes bisheriges Leben ausgezeichnet hatte, schien in ihm Allen Flüchen, Ver- wünschungen und Zurufen hielt er seine hartnäckige und beharr- liche Geste entgegen, die Unnachgiebigkeit und Festhalten an der einmal gefaßten Uherzeugung ausdrückte. Seine Arme waren aus- Einer hielt eine kleine Blendlaterne hoch. Der Schein, vom Regen verzerrt, fiel auf sein Gesicht. Seine mächtige Gestalt,om Dunkel zu sondern, stand mitten in der engen Gasse.

Ihr werdet, sagte Michael starrkõpfig,nur über meine Leiche veitergehen!

Gut, schrie einer.Wenn du es so haben willst. Ehe d. Blendlaterne verlosch, flog ein schwerer Stein gegen Michaels Schläfe. Lautlos sackte er zusammen. Und ohne Laut Schritt die Menge über ihn hinweg.

Auch Ruth setzte die Füße über ihn. Sie hatte stumm den Vorgang verfolgt, ohne durch eine Regung zu erraten, daß Michaels Hal- tung sie heftiger anging als die anderen. Als sie ihn kallen sah, trachtete sie, zur Seite zu springen, um ihm auszuweichen. Aber die Menge drängte. Die Straße war eng. Sie mußte über den Gatten hinweg. Sie var in diesem Augenblick scho

n weit von ihm entfernt. Sie

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