2WöLFTES KAPITEL
Das Arbeitsamt des Generalgouvernemenis befand sich im Mittel- trakt der alten, auf dem Wawel in Krakau gelegenen Königsburg. Der Vizepräsident und SS-Brigadeführer von der Planitz hatte ein Erkerzimmer inne.
Von dem einen Fenster konnte man die Weichsel sonnenbeglänzt und ruhevoll vorüberfließen schen. Auf den Wellen schaukelten holzbeladene Kähne. In das andere Fenster ragten die beiden Türme des Doms.
Der Vizepräsident war ein Sammler und Kenner schöner Dinge. Die Platte seines Rokokoschreibtisches wurde von Karyatiden ge- tragen. In die Seitenflächen waren Bildwerke eingeschnitten: nackte Nymphen spielten mit neckischen Satyren. Auf der blitzen- den Lackkommode lag ein alter gestickter Chorrock, in dessen Brokat die Wunder des heiligen Stanislaus eingewirkt waren. Das überlebensgroße Bild des polnischen Königs Stephan aus dem Haus Bathor) schmückte die Mittelwand.
Von der Planitz, ein schlanker, gutaussehender Mann mit sorg- kaltig gescheiteltem weißem Haar, lehnte in seiner gepolsterten Bergère. Gegenüber dem Schreibtisch stand ein jüngerer Mann, in der Uniform des Sturmbannführers.
„Die nächste Sache“, sagte er und nahm von einem mit eingeleg- ten Blumenranken verzierten Wandschrank einen Akt,„betrifft die Reparaturwerkstatt in L.“
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