zu retten. Und wenn die jungen Frauen verloren waren, die erst Mütter werden sollten, wie konnten Kinder geboren werdenꝰ? Ruth hatte ihren Kopf gesenkt und redete ins Dunkel hinein.
Aus diesen zermalmten, geräderten, zertretenen Geschöpfen, die- sen menschlichen Ruinen, vermochte niemand mehr wirkliche Fristenzen zu machen. Was bei anderen Generationen Stolz, Ehr- geiz, Tapferkeit war, pei dieser war es eine eitrige Wunde gewor- den. Sie sagten Gott und vermochten sich unter seiner Allmacht nichts als einen Henker in Uniform vorzustellen. Sie sagten mor- gen und meinten unvorstellbares Grauen. Sie sagten Hoffnung und waren ratlos. Denn unfaßbar war der Sinn dieses Wortes geworden. Wenn man darüber nachgrübelte, wußte man nicht, wohin man geriet.
Ruths Stimme klang immer leiser. Ihr Gesicht war nach vorn gesunken. In den Winkeln des Turms huschten Ratten. Ferne Flugzeugmotore füllten die Luft mit klagenden Geräuschen. Der Wind bog die Wipfel der nahen Bäume. Das Treppenhaus krachte. Jeder Laut vervielfältigte sich in den verlassenen Räumen. Michael starrte vor sich hin. Er fühlte sich immer tückischer ver- raten und betrogen. Aber unnachgiebig, wie er war, ließ er keine Meinung gelten als die seine. Menschen seiner Art gaben aus treien Stücken niemals nach. Er war weder eingeschüchtert noch pekehrt. Er war nur im Innersten verwundet.
Jan, Simon und Imre kauerten in der gemeinsamen Kammer auf ihren Lagerstätten, ohne Schlaf zu finden. Keiner sprach. Alle hatten denselben Gedanken. Sollte man das Ergebnis der Abstimmung mißachten und heimlich zu Bogdan gehen? Ohne Zweifel würde eine Anzahl erprobter Männer bereit sein, das Abenteuer zu wagen. Je geringer ihre Zahl, desto größer die Aus- sichten des Gelingens. Welche Verführung lag in der Vorstellung, nicht mehr Zwangsarbeiter, sondern Revolutionär zu sein!
Jans Freunde verließen plötzlich ihre Lagerstätten und drängten näher an Jan. Ihr heißer Atem umwogte ihn wie Feuer.


