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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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STIEBENTES KAPITEL.

Eines Tages erhielt Schilling Urlaub. Sein einziger Sohn war schwerverletzt aus Tunis zurückgebracht worden. Daher durfte er auf drei Wochen die Reisetage ungerechnet heim.

Während Schilling packte, an nichts denkend als an seinen Sohn, meldete sich sein provisorischer Vertreter, Fhrenfried Brigola, ein Egerländer.

Schillings Anweisungen waren kurz. So fest er mit der Werk- statt verbunden war, die Vorstellung, daß sein Sohn verstümmelt sein mochte, verdrängte alle anderen Gedanken. Noch geringer als Schillings Fifer, Fingerzeige zu geben, war Brigolas Bestre- ben, sie zur Kenntnis zu nehmen. Sein Aufenthalt mochte etwa vier Wochen dauern. Was konnte man schon in vier Wochen leisten! Brigola hatte nicht die Absicht, mehr zu tun, als not- wendig war.

Als der neue Mann zum erstenmal peim Appell erschien, waren die in Reih und Glied Stehenden durch die Gewalt von Brigolas Ubelwollen förmlich gebannt. Sein Mund, ohne häßlich zu sein, schien ein Behälter von Erbarmungslosigkeit. Aus seinen Augen, wie aus dunklen Löchern, schien flüssiges Feuer zu tropfen. Brigola stand lange betrachtend vor den beiden Kolonnen. Nie- mals noch waren ihm so zahlreiche Menschen untergeordnet ge- wesen. Er freute sich über seine, wenn auch vorübergehende, Macht.

Lange konnte er sich nicht entschließen, den Appell aufzuheben.

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