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„Kannst du“, fragte er,„deine Arbeitszeit besser ausnützen?“ Jan bob den Kopf. Er sah den Betriebsleiter an.„Ist das ein Be- fehl?“ sagte er kurz.
„Fang an!“ fuhr Schilling mit unveränderter und unpersõnlicher Stimme fort.„Ich erwarte, daß du doppelt so rasch arbeitest wie bisher. Gib alles, was du hergeben kannst.“
„Zu Befehl.“ Jan schöpfte tief Atem.
Warum, erwog er, während er weiter arbeitete, versucht er nicht, mich zu erschrecken wie Jakob und Kamilla? Warum herrscht er mich nicht an? Warum schüchtert er mich nicht ein? Sonderbar: er redet mir zu. Diese Art der Verständigung mit einem Juden scheint eine neue Methode zu sein. Schilling versucht sie an mir. Probt er mich wirklich ausꝰ
Die Erkenntnis, daß Schilling nicht mehr mit Drohungen. sondern mit gütlichem Zureden operierte, bewirkte, daß Jan in freudiger Bestürzung ein paar Sekunden lang mit seiner Arbeit aussetzte. Aber kurze Zeit darauf vermochte er wieder seine Muskeln frei zu entfalten. Der Rhythmus seiner Bewegungen beschleunigte sich. „Besser“, Stellte Schilling fest. Wieder wurde ein menschlicher Unterton in seiner Stimme deutlich.„Aber noch lange nicht gut genug.“
Jan fühlte sich fähig, noch rascher zu arbeiten. Gute Behandlung steigerte die Hoffnung, Hoffnung verdoppelte die Energie Neuer Lebensmut prannte in Jan und gab ihm eine milde, flutende Wärme.
„Nimm dich zusammen!“ sagte Schilling. Seine Stimme klang beinahe wie die eines Freundes. Es war kein Befehl, noch viel weniger eine Drohung. Es war ein ehrlicher und wohlgemeinter Rat.
Jan beschloß, diesen Rat zu befolgen. An seinem guten Willen sollte es nicht fehlen. Er arbeitete unter Anspannung aller Kräfte weiter. Hoffnung steigerte unablässig seine Kräfte.
Ich arbeite nicht allein für mich! dachte Jan. Ich arbeite für alle meine Kameraden. Ich arbeite für die ganze Belegschaft. Jan hatte ein jähes Glücksgefühl. Er empfand eine lange nicht ge- kannte Uberlegenheit. Von außen her schien ihm Energie zuzu- strömen. Seine Spannkraft reichte pis zu einem Punkt. der bisher
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