Wein zu keltern und zu kosten, ging in den Hof seiner Hütte. Dort grub er mit Mühe ein Loch, wickelte das Blatt um einen Stein, versenkte diesen in der Höhlung und deckte die Höhlung feierlich zu, als hätte er den Leichnam eines kleinen Kindes be- graben.
Andere versteckten die Papiere unter Dachziegeln, zwischen Bret- tern des Fußbodens, in den Kellern.
Martha und Gertrud hatten kein Flugblatt empfangen. Aber sie hatten sich heimlich in den Besitz eines solchen gesetzt. Nach lan- ger Erwägung, wie es am besten zu verstecken wäre, hatten sie etwas getan, was jeden gläubigen Juden, falls er es entdeckte auf das tiefste verwunden mußte. Sie hatten eines jener Glasröhrchen ausgewählt, in denen Juden Stücke des Gesetzes, auf zusammen- gerollte Papierstreifen geschrieben, verwahrten. Sie hatten diesen gläsernen Behälter seines geheiligten Inhaltes beraubt und an Stelle der Gesetzesworte das zusammengefaltete Flugblatt gelegt. Dann hatten sie die Hülle aus Glas an ihren alten Platz getan, in Kopf- höhe, an der Innenseite des Türpfostens.
Das gläserne Amulett beherrschte die Kammer. Kalt, mit dem matten Glanz, den es ausströmte und nüchtern, aber mit der Kraft der ihm als dem vermeintlichen Gotteswort beigemessenen Weihe, gebot der gläserne Behälter Anbetung. Er befahl den Frommen, ihn dadurch zu ehren, daß sie ihre Lippen mit ihm in Verbindung brachten.
Gehorsam leisteten sie dem Befehl Folge, drückten Zeige- und Mittelfinger an das Glas und brachten die Finger, auf denen noch die geglaubte Ausstrahlung des Gesetzes ruhte, mit den Lippen in Verbindung.
Das Röhrchen aber hing starr und schimmernd an der Wand, nie- mals verratend, daß es seine Anbeter betrogen und veranlaßt hatte, nicht dem Gesetz, sondern dem Aufruhr zu huldigen.
So erfüllte keines der Blätter in der Judenstadt jenen Zweck, den Verfasser und Verbreiter ihm zugedacht hatten.
Zwar steckte eine großße Gewalt in ihnen. Aber diese Gewalt ver- mochte nur zu wirken, wenn sie sich mit anderen Gewalten verband.
Der doppelte Wall, der die Judenstadt umgab,— schärfste Be-
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