etwa walr Die Emp-
hre Klei-
n noch
verheert und die jüdischen Untertanen an der Seite ihrer pol- nischen Herren erschlagen hatten, war Gott von einem Rabbi be- zichtigt worden, er habe sein ganzes Volk dem Untergange preis- gegeben.
Uberdies sprach man Gebete um Rettung vor dem Tode. Glaube man auch nicht mehr an die Rettung, so steckte doch im Inneren jedes Beters die verborgene Erwartung eines Wunders. Deshalb hatte man, während man die Gebete sagte, die mystische Empfin- dung, daß irgendwo verborgen ein Engel stand, um im letzten Augenblick schützend sein Schwert zu erheben. So blieb die Todes- angst unterdrückt, das Vorgefühl des Kommenden war fern. Man war traurig, aber nicht verzweifelt. Man nahm vom Leben Ab- Schied. Aber der Abschied hatte keinen Stachel.
Der Himmel war die ganze Macht gestirnt. Und während man die Gebete sagte und sang, sah man die Sterne über sich. Auch die Sterne gaben ein Versprechen.
Als aber der Himmel heller wurde und die Sterne verblaßten, nahm die Wirkung der Bußgebete ab. Das Jenseitige wurde weni- ger fühlbar als das Vorgefühl dessen, was auf der Erde noch auf sie wartete. Die Schreie der Frauen wurden lauter.
plõtzlich änderte der Klteste seinen Ton. Er sprach das Toten- gebet, in dem er Gott noch einmal für sich und seine Gemeinde um Verzeihung aller Sünden bat. Hierbei schlugen er und die anderen Männer demütig die Brust.
Zum Schluß legte die kleine Gemeinde der Männer hastig die Gebetriemen um und sprach das vorgeschriehene Morgengebet. Der neue Tag war da.
Gebückt und ãchzend, mit nassen Augen und keuchenden Lungen prach die Zahl der Zwanzig auf. Nachbarn hatten ihnen ein Früh- stück gerüstet. Aber keiner hatte es angerührt. So schritten die Zwanzig die erwachende Landstraße entlang. Der Wald reichte pis nahezu an die Straße heran. Es war Laubwald, in den einige wenige Madelbäume verstreut waren. Die Kste bewegten sich. Aus den Rinden träufelte Harz . Hohe Farne entfalteten ihre Fächer. Sie aber, diese Zwanzig, wohin gingen sied Heute lebten sie noch. Sie atmeten und bewegten ihre Glieder. Ihre Augen schauten, sie nahmen das Grün in sich auf. Sie hoben die Füße und fanden
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