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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Arbeit

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war sein Ruf als Maschinenkonstrukteur begründet. Er wurde an die Spitze einer bedeutenden nordböhmischen Maschinenfabrik berufen, deren Miteigentümer ihm seine Tochter zur Frau gab. Fünf weitere Jahre war Wolf glücklich; ein geehrter Bürger, ein Fundament der Wirtschaft. Um das Jahr 1936 trat die Wen- dung ein.

Wolfs Abstammung, bis dahin selten zum Gegenstande von Er- örterungen gemacht, haftete ihm plötzlich wie ein unauslösch- licher Makel an. Wolf empfing schmerzhafte Wunden. Sooft er von einem der neu auftauchenden Parteiblätter angegriffen wurde, zuckte er zusammen. Zog sich einer der alten Geschäftsfreunde im Privatleben von ihm zurück, so empfand er eine unũberwind- liche Scham.

Da betonte er sein Judentum. Er hielt es seinen Feinden wie eine Waffe entgegen. Er zeigte es selbst dann, wenn die anderen ent- schlossen waren, es nicht zur Kenntnis zu nehmen. Er schrie es der ganzen Welt ins Gesicht. Er ließ keine Gelegenheit vorüber- gehen, sich als Jude zu bekennen. Miemand konnte so rasch sein, ihm seine Abstammung vorzuhalten, daß Wolf nicht rascher war. Und tatsãchlich machte er mit diesem Verhalten manchen Wider- sacher stumm.

Wolf war entschlossen, sich nicht zu ergeben. Während in den Tagen vor München die Flucht aus den abzutretenden Gebieten einsetzte, weigerte sich Wolf, in die Verbannung zu gehen. Figen- einnig lehnte er es ab, seine Dienstwohnung zu räumen und das Direktionsgebãude der Fabrik zu verlassen. Er pestand auf Rech- len und Pflichten seines Vertrages und überließ es seinen Geg- nern, ihn zu vertreiben.

Diese aber waren es vorläufig zufrieden, wenn ihr bester Fach- mann blieb. Sie nützten die folgenden zwölf Monate aus, um sich von ihm in Hinkunft unabhängig zu machen.

Dieses Jahr war voll von immer heftigeren Qualen. Wolf hatte nicht vorausgesehen, wie weit die Bosheit seiner Feinde ging. Die neuen Herren, durch keine Rücksichtnahme auf Gesetze und Be- hörden gehemmt, ließen Wolf, ohne vorerst auf seine Dienste zu verzichten, die ganze Härte seines Schicksals auskosten. Sie behan- delten ihn mit jener spöttischen Mischung von Duldung und Ge-

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