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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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DRITTES KAPITE L.

Seitdem der Automechaniker Ludwig Schilling, ursprünglich Be- sitzer einer Autogarage in Marktredwitz , unweit der böhmischen Grenze, die Leitung der großen Motoren- und Wagenreparatur- werkstätte im Schloß zu L. übernommen hatte, lag Zufriedenheit auf seinen Lippen. Memand konnte leugnen, daß er Fachmann war. Er hatte sein Unternehmen selbst aufgebaut. Im ganzen Ge- piet der bayrischen Oberpfalz gab es keinen Monteur, der ihm an Fachkenntnissen gleichkam. Der widerspenstigste Motor wurde kügsam unter seiner geschickten Hand. Kein Arbeiter vermochte ihn zu täuschen. Er wußte genau, wieviel Zeit jede Verrichtung in Anspruch nehmen durfte. Untrüglich war sein Urteil über Mög- lichkeit und Unmöglichkeit der Erfüllung eines Auftrages.

Es war nicht leicht gewesen, die sechs bis acht Menschen, denen Schilling Arbeit und Lohn gab, im Zaum zu halten und ihre Arbeitskraft auszunützen. Schillings Monteure waren in gleicher Weise entschlossen, für ein Mindestmaß an Arbeitsleistung den höchsten Lohnsatz zu fordern, wie er trachtete, gegen Zahlung des Mindesttarifs eine Höchstleistung zu erzielen.

So gab es heftige Reibungen, zuweilen sogar Streik und langwie- rige Verhandlungen mit Gewerkschaftssekretären und Partei- beamten. Schilling gebrauchte kräftige Worte, um seiner Unzu- friedenheit Ausdruck zu geben. Auch unter der Herrschaft der neuen⸗Ordnung bildeten die Arbeiter der Garage eine wenig er- gebene, immer zur Auflehnung geneigte Gefolgschaft. Sie hielten

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