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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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junge Paar gezwungen, mit seinen Habseligkeiten in die Vorstadt zu ziehen. Dann war auch diese kein Asyl mehr. Eine Dachstube wurde ihnen zugewiesen. Die Kostharkeiten, die Michael nach Prag gebracht hatte, geschnitzte Truhen aus der Normandie , flä- mische Schränke, Strozzischemel aus Florenz , Kredenzen aus Siena , wurden ihnen genommen. Alles, was Michael nach Prag geschleppt hatte, Teppiche, Bilder, Silber und Porzellan, war end- gültig verloren.

Seine letzten Barmittel hatten Michael und Ruth die Vergünsti- gung verschafft, zu lernen, was der Monteur in einer Automobil- garage können muß. Aber nicht einmal diese Kenntnisse hatten es ihnen ermöglicht, zu pleiben. Mit vielen Gefährten wurden sie nach Polen abgeschoben. Doch weil sie geschulte Arbeiter waren, hatte man sie keinem Judenwohnbezirk und keinem Ghetto zu- gewiesen, sondern in die Belegschaft der Werkstatt von L. ein- gereiht.

Vorũber waren die Jahre der Hoffnung und die Jahre des War- tens. Ihr Schicksal war entschieden. Sie waren beide Opfer und Sklaven des Werks. Von allen Schätzen eines weltumspannenden Antiquitätenhandels war Michael nichts übriggeblieben. Selbst sein letztes Besitztum, seine junge Frau, drohte ihm in Verlust zu geraten.

Niemals war er sich so deutlich dessen hewußt gewesen, daß er betrogen war, ein Opfer tölpelhaften Leichtsinns. Aber es war nutzlos, sich Ruth, dieses letzte Besitztum, durch Vorwürfe zu entfremden. Er mußte sie halten. Er durfte sie nicht verlieren.

Er beobachtete sie eine Weile. Sie schlief zwar nicht, nahm aber die Haltung einer Schlafenden an. Schweißperlen sammelten sich auf ihren Schläfen.

Michael beugte sich über sie. In den ersten Monaten ihrer Ehe, als sie noch die Illusion des Besitzes empfanden, hatte er oft den Versuch gemacht, dadurch Wünsche und Erwartungen in Ruth zu erwecken, daß er ihr die Welt, die nach Herstellung normaler Verhälinisse die ihre werden sollte, beschrieb.

Sein Beruf hatte es mit sich gebracht, daß er gerade in jenen Städ-

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