dem Staube und der Asche gleich geachtet. Schreie ich zu dir, so antwortest du mir nicht. Mach' ich mich hörbar, so achtest du nicht auf mich. Du hast dich in meinen Peiniger verwandelt und zeigst mir mit grausamer Hand, wie du mich hassest. Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse. Ich wartete auf das Licht, und es kommt die Finsternis... Wollte Er mich auf rechter Waage wiegen, dann würde Er erfahren, daß ich unschuldig bin. Ist mein Gang je vom Wege abgewichend Ist mein Herz meinen Augen nachgefolgt? Klebt ein Flecken an meinen Händen? Habe ich den Dürftigen ihr Begehren versagt und die Witwe ver- schmachten lassen?“
„Genug“, sagte Knüpfer. Seine Stimme hatte einen tiefen Klang.
Jonas richtete sich auf, warf einen flüchtigen Blick auf Knüpfer und fuhr mit den Händen wie erschöpft über seine beiden Augen.
„Was antwortet Gott ?“ fragte Wolf, der sich bisher bemüht hatte, stumm, unbemerkt und im Dunkel zu bleiben.
Rechenschaft.“
Keiner sprach ein Woört. Eine Weile war die Stille beinahe un- überwindlich. Im Nachbarhause weinte eine Frau. Ein sich lang- sam näherndes, über die Judenstadt hinweggleitendes Flugzeug gab ein durchdringendes, Klagendes Geräusch, wie wenn einer sich bemühte, immer denselben schrillen Ton auf einer Saite anzu- schlagen.
„Er ist im Recht“, gestand Knüpfer.„Und wer ihn anklagt, ist im Unrecht.“
Wie erschöpft fügte er nach einer Pause hinzu:„Wir müssen ler- nen, es zu ertragen, ohne uns ein Urteil anzumaßen. Ihr wißt doch, wie Hiob es ausdrückt?“
Und leise, als verriete er ein Geheimnis, sagte er jenen Vers, der alles, was Hiob an Anklagen vorher gegen Gott vorgebracht hat
und nachher an Beschwerden noch vorbringt, widerlegt, haltlos
macht und alle seiner Stichhaltigkeit beraubt. „Und wenn er mich auch erwürgt, ich will mich ihm dennoch ausliefern.“
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