ow nes et. den es
ige
3W5 bis ann
der
Aber nach Osterreichs Eingliederung ins Reich hatte man die aus Galizien eingewanderten Juden nach Polen zurückgeschickt. Plötz- lich fand sich Jonas wieder in seiner Heimat. Lwow war kaum mehr zu erkennen. Das uralte Haus mit seinen weitläufigen Kel- lern hatte einem Warenhause Platz gemacht. Eines Tages wurde Jonas von seiner Familie getrennt und einem im äußersten Osten gelegenen Ghetto zugeteilt. Dort wurde er seiner Sprachkenntnisse wegen zum Judenrat gemacht.
Judenräte waren die Obrigkeit der Juden. In Wahrheit aber waren sie nichts als Werkzeuge des Judenkommissars. Sie hatten dessen Befehle mit größter Genauigkeit in Vollzug zu setzen. War ein Zugehöriger ihres Sprengels mit der Erfüllung säumig, so strafte man neben ihm auch den für ihn verantwortlichen Judenrat. Zu den übrigen Geschäften des Judenrats gehörte die Unterbringung der jüdischen Arbeitskräfte und die Auswahl der Uberzähligen, deren Schicksal dunkel und kläglich war.
In dem Ghetto von L. war Jonas mehr mit der Versorgung der Ankömmlinge, als mit der Kontrolle der zu Entlassenden befaßt gewesen. Niemand hatte ihm die unerfüllbare Aufgabe zugeteilt, überzãhlige und entbehrliche Arbeitskräfte auszulesen und zur Ablösung vorzuschlagen. Aber mehr als einmal hatte er Menschen auf ihrem schmerzhaften Weg zum Bahnhof begleitet, der eine halbe Wegstunde von L. entfernt in der Stadt R. lag.
Jetzt blieb er stehen. Seine Augen richteten sich neuerlich auf Wolf. Sie blickten verdrossen und trübe.
„Eile nicht so!“ sagte er vorwurfsvoll.„Ich kann dir nicht fol- gen. Du kommst noch immer zur rechten Zeit. Ich aber bin noch nicht so weit, um es meinem Machbarn beizubringen.“
Wolf nickte. Ohne zu fragen, wußte er, warum Jonas noch nicht so weit war. Er wußte auch, was jenem bevorstand, dem Jonas es sagen mußte. Leichter Schweiß trat auf seinen Schläfen aus.
Jonas kämpfte mit sich. Seine Lippen murmelten unverständliche Worte. Offenbar bereitete er sich auf seine Mitteilung vor. Indes waren sie an ihrem Bestimmungsort angelangt, der Ruine eines Turms, der weit älter sein mußte als die ersten Anfänge der Judenstadt.
15
—
——


