kann sich alles leisten, nur weil sie das BG.-Abzeichen hat.»
Ihre Kameradin sekundierte:«Natürlich. Die ist nicht bei Troste. Und das alles vor einem Frontsoldaten. v Sie strahlte mich an.«Mein Bruder ist auch Oberschütze und verwundet. Er hat beim Sturm auf Rostow einen Gra- natsplitter abgekriegt. Waren Sie vielleicht auch gerade dort ꝰv
Ich murmelte:«Nein, dort nicht.» Ich haßte mich für diese Antwort, ließ es aber dabei bewenden, und griff nach meinen Krücken.
An den Litfaßsäulen klebten große schwarz-weiß-rote Plakate. Sie verglichen den Stand der deutschen Schlacht- fronten von 1917 und 1942, und wetterten gegen Mecke- rer, Miesmacher und feindliche Agenten, die mit gifti- ger Verleumdung die deutschen Siege zu verkleinern such- ten.
Die Passanten gingen achtlos daran vorbei.
Die Lautsprecher an den Laternenpfãhlen waren stumm, verkũndeten nicht mehr Verhaftungen und Erschießungen. Aber da gab es neben den regenverwaschenen alten auch neue grellrote Anschlãge des Reichssondergerichts, mit lan- gen Namenskolonnen und dem Vermerk:Das Todesurteil wurde vollstreckt. Um diese Verlautbarungen machten viele einen Bogen, und in einer stillen Gasse sah ich unter einem der grellroten Plakate einen Immortellenkranz lie- gen.
Auf den Gesichtern der Tschechen und in ihren schwe- lenden Augen fand ich noch den gleichen Ausdruck von Haß, Verbitterung und Entsetzen wie früher; doch war eine neue Note hinzugekommen, etwas wie Erwartung oder Vorbereitung. Dieses Neue blitzte bisweilen auf, wenn ein unbewachter Blick meine Krücken streifte; es war mir dann, als könne ich die Gedanken hinter diesem
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