Druckschrift 
Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
317
Einzelbild herunterladen

aber brennend interessiert, ist die Frage, ob du dir klar bist, daß wir uns auf einer Dienstreise befinden. Auf dieser Pienstreise fũhre ich das Kommando. Ich trage die Verant- wortung. Und ich bin nicht gewillt, die geringste Pflicht- verletzung zu dulden. Bei mir nicht und bei niemand sonst. Das vorhin, im Wagen, war ein Befehl. Ich mõchte mir die strikteste und schnellste Ausführung jedes Befehls ausge- beten haben. Andernfalls müßte ich durchgreifen. Gna- denlos durchgreifen. Ist das unmißverstãndlich genug?

Jawohl. vMaurer stand straff da, mit einem Gesicht, das ausdruckslos und unzugãnglich war wie ein heruntergelas- sener Rolladen.

Auch Chabruns Gesicht hatte seinen Ausdruck verloren. Es erschien mir versteint, uralt. Ich mußte an die Spottbil- der von Fridericus Rex denken, als Soldatenschinder, mit Rute und Stock. War das noch Chabrun? Nein, das konnte er nicht sein. Dieser Chabrun würde nicht zögern, Maurer niederzuknallen, und nicht nur Maurer... Oder hatte ich am Ende den wahren Chabrun noch gar nicht kennen ge- lernt? Ich dachte nicht weiter. Mir war, als mũsse ich beim Weiterdenken allen Halt verlieren, abstürzen. Ich stotterte hastig: Menschenskinder, laßt doch den tierischen Ernst.v Es kam so falsch heraus, daß mir die Kehle zusammen- wuchs.

Maurer streifte als erster die Erstarrung ab. Er schoh das Gewehr zurũck. Na, dann gehe ich auf Wache, ja dv

Chabrun nickte.«Gut. Geh nach vorn zur Maschine. v Er schien ebenso bereit wie Maurer, den Zwischenfall zu be- graben.«Holler und ich organisieren unterdessen paar Kar- toffel. v

ch hoffe, ihr wißt, wie man sie richtig prãt.v

Keine Sorge. Wir sind auch mal Jungen gewesen. In einer Stunde wirst du abgelõst.v

Gemacht.v Schon schritt Maurer den Zug entlang. Er schlenkerte nachlässig mit dem freien Arm. Wir hörten ihn

317