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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Indem fuht er auch schon fort:«Aber gut, es ist schließ- lich einerlei.v Er schien nochmals zu überlegen, warf dann mit einem Ruck den Kopf in den Nacken. Die Dinge lie- gen einfach so. Für die Heimatfront ist der Krieg nichts als ein Haufen Preck. So steht's wenigstens im Rheinland . Aber anderswo wird es nicht sehr verschieden sein. Ein Haufen Dreckꝰ, wiederholte er und hieb mit der flachen Hand durch die Luft, Dreck, Angst, Langeweile, Hunger, Schinderei, aber hauptsächlich Angst. Und niemand weiß, was noch nachkommt... Nein, jetzt halt den Mund, Dietz, jetzt laß mich erst mal ausreden; nachher kannst du meinet- wegen lostoben.v Er steckte die Hãnde in die Hosenta- schen und begann, mit großen Schritten vor uns auf- und abzugchen. aIch war in Düsseldorf am Tage der Massen- versammlung, in der Goebbels zu den Bombengeschäãdig- ten sprach. Seine Rede wurde durch Lautsprecher in der ganzen Stadt verbreitet; die Luftschutzwarte hatten An- weisung, dafür zu sorgen, daß die Leute überall zuhörten. Ihr hättet schen sollen, wie sie dastanden, als Goebbels Sagte, daß der beste Trost für die Pũsseldorfer die Ehre ist, zu den ersten Soldaten der Bombenfront zu gehören. Und wie sie nachher auseinandergingen: ohne ein Wort und mit Gesichtern, mit Gesichtern, sage ich euch... v

Er blieh stehen. Ich hatte, obwohl er sie nicht weiter be- schrieb, diese Menschen vor mir. Einer glich dem anderen, und alle glichen sie Maurer. Unbestimmt fühlte ich, daß sich in diesen Menschen etwas zusammenbraute: eine dunkle, zornige Kraft, die eines Tages losbrechen würde wie aufgestautes Wasser hei einem Dammbruch.

Maurer sprach unterdessen weiter. aIch war nachher in einer Kneipe an unserer Ecke. Nebenbei das einzige heil- gebliebene Gebãude in der ganzen Straße. Dort kam ein Apothekergehilfe hinein, einer von den ältesten SA.- Män- nern in unserem Bezirk. Einen Kerl wie den muß es be- sonders hart getroffen haben, daß die SA. jetzt nur noch

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