Als ich nachher im Gespräch mit Chabrun eine An- deutung in dieser Richtung machte, fertigte er mich zuerst ab: a wo, Gespensterscherei! Klobo ist aus anderem Hol⸗ gemacht.v Poch nach einigem Uberlegen fügte er hinzu, und das so charakteristische Lächeln, voller Eigensinn und melancholischer Ironie, tanzte um seinen Mund:«Hm, eigentlich weiß man nie genau, was in einem Menschen drinsteckt. Und erst in uns Deutschen . Man sagt immer, wir halten unbeschreiblich viel aus, und das stimmt auch in einer gewissen Weise, aber dann, urplõtzlich, reißen bei uns alle Stricke. Nimm nur, zum Beispiel, den letzten Krieg. Mit einemmal war's aus; was gestern aus Granit schien, fiel heute zusammen wie nasser Pappkarton. Ja, s0 ist es; weil wir so viel in uns hineinfressen können, explo- dieren wir dann mit solcher Vehemenz, oder verflüchtigen uns mit einem„pfft' wie angestochene Luftballons... Trotzdem gehe ich jede Wette ein, daß Klobocznik mor- gen früh, nach einer im Bett und mit der nötigen Bier- Schwere verbrachten Nacht, wieder kreuzfidel ist.v
Der nãchste Tag ließ sich gut an. Es gab keinen Außen- dienst, nur ein bißchen Reinemachen und Schule, und nachher Gewehrputzen. Klobocznik ausgenommen, fan- den wir alle die neue Diensteinteilung nahezu paradiesisch. Der Dicke allerdings schien mit sich und der Welt zer- fallen. Er war, entgegen der Voraussage Chabruns, mür- risch aufgewacht und hatte gleich beim Kaffecholen Streit mit dem Gefreiten vom Dienst bekommen. Mittags fand er eine Schabe in seinem Kohl und schließlich zerbrach ihm auch noch sein Putzstock. Zornig schleuderte er die Bruchstũcke weg, sank in sich zusammen und starrte dũ- ster zum Fenster hinaus, über die Fuchsienstõcke hin, die Seit Scelkes Tod verkümmerten, da sich ihrer niemand mehr richtig annahm.
Dietz verscheuchte mit seinem Lachen die gãnschäutige Stimmung, die ich herannahen fühlte.(Schaut euch nur
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