des Busens gesprengt. Die glänzenden, an braune Glas- murmeln erinnernden Augen befanden sich in ständiger Bewegung. Ohne auf das warnende Geflüster Seelkes zu achten, legte sie los. Was wir wohl glaubten, wie es zu Hause aussche? Schãbig sei kein Wort dafũr. In ganz Berlin kriege man nichts Richtiges mehr zu kaufen, und wenn qoch mal was in den Geschäften ausliege, so heiße es fast immer: Nur für BG. Bezugsscheine. Aber wer die Bom- bengeschãdigten seien, die diese Bezugsscheine kriegten, wüßten die Götter. Schwester Klara aus Bremen , die als hundertprozentiger Bombenffüchtling bei Seelkes wohne, habe noch keinen solchen Schein zu Gesicht bekommen; dafür Sei ihr auf᷑ dem Bekleidungsamt gesagt worden: Flik- ken sind heutzutage ein deutsches Ehrenzeichen. v Es gehe eben nach der Bibel: Wer hat, dem wird gegebenv, und wer kein Vetterchen irgendwo oben hei der S8. oder in einem höheren Amt habe, der könnte in den Mond guk- ken. Ja, wenn Alois nicht ab und zu an seine Familie dãchte
gcelke machte eine einschränkende Gebärde; er erhob sich halb, doch Frau Frieda drückte ihn mit sanfter Gewalt nieder. Nein, Alois, alles was recht ist, ein Herz hast du, ein goldenes Herz. v Die resolute Zärtlichkeit ihres Tones ließ keinen Widerspruch zu. Wenn du nur nicht so schüch- tern wärst! Andere Männer sind in der Zeit, die du hier in Prag pist, Schon dreimal auf Urlaub zu Hause gewesen, aber ich warte und warte, schaue mir die Augen aus, und kein Alois kommt. 80 was muß einem doch nachgerade an die Nieren gehen, nicht Wahr?ꝰ
eSehr richtig!v rief Klobocznik und stellte sein Biersei- del scheppernd auf den Untersatz. Er plickte gebannt auf das goldene Herzchen, das in Frau Friedas tiefem Halsaus- schnitt hing und sich mit dem Busen hob und senkte.
Frau Frieda jedoch war zu scht im Zuge, um auf Klobocz nik zu achten. Warte, stõr mich nicht immer, wenn ich mir
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