dahin kann man den Herrschaften doch insoweit trauen, als sie Haltung haben und Glauben, und bereit sind, sich für Deutschland bis zum Letzten zu schlagen. Na ja, also Chabrun ist auf seine Weise verläßlich, wenn auch be- schränkt, hehe.
Etwas Stãrkeres als mein eigener Wille zwang mich, zu fragen:«Und wie ist es mit mir? Was hãltst du von mir? Du weißt doch, auch ich habe mich noch zu keinem H. K. gemeldet?
Dietz antwortete erst nach einigem Zaudern. Aber nicht etwa aus Unsicherheit. Ich konnte ihm ansehen, daß er schon im voraus genoß, was er mir sagen wollte. Eine fimmernde Spannung ergriff mich. Wie von weit her hörte ich Dietz sprechen: Ach du? Du bist einfach= wie soll ich mich ausdrũcken? Nun ja, du bist trotz deiner Zugehörig- keit zur Bewegung und trotz deiner tadellosen Familie ge- wissermaßen etwas zurũckgeblieben. Oder wenn du willst: noch ein bißchen unentwickelt. v Er meckerte, daß ihm die Trãnen in die fahlen Augen kamen.«Unentwickelt, das ist das richtige Wort. Der junge Mann hat die Eierschalen der Empfindsamkeit noch nicht ganz abgestreift. Eine zartbe- Saitete Scele, hehe. Wahrscheinlich auch behaftet mit dem deutschen Drang nach Gründlichkeit, der oft von Ubel ist. Aber das gibt sich mit der Zeit. Pafür ist schon gesorgt, hehehe. v
Die Spannung wich. Wieder spürte ich das Verlangen, Dietz ins Gesicht zu schlagen. Merkte er meine Wünsche? Ich wandte mich rasch ab, um mich nicht zu verraten.
Dietz mißdeutete meine Bewegung. Er gab mir einen leichten Rippenstoß.«Na, nichts für ungut, Hans. Ich hab das alles nicht so tierisch gemeint. Das heißt: für den Mau- rer gebe ich tatsãchlich keinen falschen Kupferdreier. Der Bursche hat weder Haltung und Glauben wie Chabrun, noch hat er Sinn fürs Gehorchen wie du. Und nur darauf kommt's an: auf Haltung, Gehorchen und Glauben. Mles
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