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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Was hältst du eigentlich von diesem Kerl, dem Mau- rer d fragte mich Dietz am gleichen Nachmittag. Wir stan- den vor dem Militãrkrankenhaus auf dem Karlsplatz und warteten auf Klobocznik und Seelke.(Sie waren in der Auf- nahmekanzlei, um herauszufinden, wo Gerda eigentlich steckte; offenbar hatte man sie gestern, gleich nach der Ein- lieferung, in ein anderes Krankenhaus überführt.) Wie findest du ihn d»

Ich wich aus. aSchwer zu sagen. v

Dietz brach von dem Jjasminbusch neben dem Portal ei- nen Zweig und klatschte damit gegen seine Stiefelschäfte, wie es Oberleutnant Malzahn mit der Reitpeitsche tat. Rich- tig. Schwer zu sagen, was für ein Bruder er eigentlich ist. Auf᷑ jeden Fall ein unsicherer. Man darf ihm nicht über den Weg trauen.v Wieder kratzte hinter meinem Rücken das Messer über Glas. Ein höchst unsicherer Kantonist, die- ser Maurer.

Woher willst du denn das wissen?v

Ich weiß es eben. Wozu habe ich denn meine Augen und Ohren? Vprigens gehört herzlich wenig dazu, um her- auszufinden, daß der Kerl nicht echt ist. Er hat sich zum Beispiel noch nie zu einem Himmelfahrtskommando ge- meldet, um nur eines zu erwähnen.»

Dietz schielte zu mir hin, lauernd, triumphierend. Was führte er im Schilde? Ich verspũrte plõtzlich Lust, ihm in das schmale, niederträchtige Gesicht zu schlagen. Links und rechts, immer links und rechts... Ich sagte schnell: Das beweist noch lange nichts. Andere haben sich eben- sowenig gemeldet. Nimm nur Chabrun. v

Dietz schwippte mit dem Zweig durch die Luft. Olala! Wenn Zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Chabrun han- delt so aus Hochmut. Aus einer altmodischen, aristokrati- schen Vorstellung von Soldatentum heraus. Natürlich, es wird einmal dazu kommen mũssen, daß dieses ganze, mit Verlaub zu sagen, Junkerpack abgeschafft wird. Aber bis

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