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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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doch dafũr kõnnen wir mit hundertprozentiger, ich mõchte fast sagen traumwandlerischer Sicherheit auf den entschei- denden Sieg rechnen, bevor der nãchste Winter kommt.v

Eine dem Brief peigelegte Photographie zeigte Kurt noch in Pelz und hohen Filzstiefeln. Er stand breitbeinig da, den Säbel mit dem deutlich erkennbaren Feldwebel- Portepee auf einen im Schnee liegenden Wolf gestützt. Unter das Bild hatte Kurt gekritzelt:«Halali! So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage. v Und mit einem Pfeil zu den Stiefeln hin: Das sind die berũhmten rus- sischen Walenki. Habe sie einer Partisanenbraut abge- knöpft, die nichts dergleichen mehr braucht.

Kurts Oberlippe war geschürzt. Er mußte sich bei der Aufnahme kreuzfidel gefühlt haben. Mir schien fast, als hörte ich sein Lachen, hell und draufgängerisch, wie er es als Junge gelacht hatte, als er nur hinter Hummeln und Feldmãusen, aber noch nicht hinter Menschen hergewesen war. Poch wãhrend ich die Jãgerphotographie betrachtete, verschwand Kurt mit einemmal wie hinter einem Schleier, nein, es war kein Schleier, es war ein Nebel, oder auch kein Nebel, vielmehr ein Wald, ein sonderbar kahler, weißer Wald: Kreuz neben Kreuz neben Kreuz, alle von der gleichen Art, wie sie auf den zwei Bildern über Mut- ters Bett zu schen waren.

Meine Hände wurden kalt.

Hastig steckte ich Brief und Photographie in den Um- schlag zurück, aber sie blieben mir vor den Augen.

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In der Kantine ging es hoch her. Es waren nicht nur die Leute von unserer Kompanie da, sondern auch ein paar Telephonisten vom Stab(wo sie immer schwarzen Schnaps in Mengen hatten) und eine größere Anzahl von Mädchen: Arbeitsdienst-Maiden, Kanzleikräfte, Hitlermã-

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