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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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terhalten? Ah, du hast den ganzen Kneipengeruch mitge- bracht! Warte, ich muß dich ein bißchen parfümieren, meine Nase ist nämlich berühmt empfindlich. v Bevor ich eine Bewegung der Abwehr machen konnte, hatte Effi mich schon aus einem Zerstäuber angespritzt. Hu, wie rot er wird, unser Krieger lv rief sie aus und lachte wieder ihr et- was betrunkenes Lachen.«Hab keine Angst. Das ist noch gutes Parfum, Guerlain, Lutz hat es mir geschickt, wie er in Frankreich war. Willst du ein Glas Port? Ist auch noch aus Frankreich . Vater hat sich im ersten Kriegsjahr davon einen hübschen Vorrat angelegt; leider geht er jetzt zur Neige, und ich weiß gar nicht, was ich ohne Port anfangen werde.v Effi war aufgestanden und hielt die Karaffe hoch. Dabei schwankte sie, aber ich war nicht sicher, ob das Schwanken echt war oder bloß vorgetãuscht; es schien mir, als balanciere sie immerzu zwischen Ironie und Schwermut, zwischen Beschwipstheit und Berechnung, und das ärgerte, aber amũsierte mich auch.)a, Port muß da sein, wenn mir so lila zu Mute ist, weißt duv, fuhr Effi fort, ader Port und die Kerzen und... vIhre Hand zitterte beim Einschenken; der Wein floß über den Rand des Glases.

Ich langte nach der Karaffe.«Gib her, Effi, du verschüt- test noch das Ganze. Schade um den schönen Wein.v

(Schade, schade, jajav, Sang Effi nach der Melodie von Parlez-moi d'amour?. Ich sah plõtzlich, daß ihr Mund wie ein Schmetterling war, ein korallenroter Schmetterling. (Da hast dul» Sie reichte mir die Karaffe. Dabei stieß sie einen der Leuchter um. Im Fallen riß er auch den zweiten nieder. Die Kerzen rollten auf den Boden und gingen aus.

Effi schrie leise auf. Die Erwartung rũhrte mich an wie ein elcktrischer Schlag: was würde geschehen? Es ge- schah nichts. Hastig begann ich nach meinen Zündhölzern zu suchen. Endlich fand ich die Schachtel und strich ein Holz an, aber das Licht wurde sofort von Efßi ausge-

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