Sen heutzutage jede Gelegenheit wahrnehmen, um die Stim- mung zu unterbauen. Versteh mich recht, bitte! Ich will nicht etwa schwarz malen, bewahre! Die Moral in unserer Stadt, und besonders in einem ausgewählten Kreise, wie es unser Herrenklub ist, kann nur als Eins M bezeichnet wer- den. Aber immerhin, drei Jahre Krieg gehen an nieman- dem spurlos vorũber, und erst recht nicht an Mãnnern, die mitten im Getümmel der Erzeugungsschlacht stehen und sich von frũh bis spãt mit den Schwierigkeiten der Ersatz- stoffbeschaffung und dem Mangel an geeigneten Arbeits- kräften und den zehntausend verschiedenen Vorschriften herumschlagen müssen. Also, wie gesagt, ein bißchen Auf- pulverung kann da nur von Nutzen sein. Im übrigen ist es ein famoser Kreis, du wirst schon schen, und Standarten- führer Laurinek hat ein Fäßchen Pilsner beschafft, altes Friedenspilsner, expreß zu Ehren unseres Stammhalters... Oho, die sind ja schon mitten in der Feier, hörst du ꝰ
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Wir waren unterdessen auf dem Marktplatz, vor dem frũheren Hotel Weißes Lamm', das jetzt„Zum Reichs- marschall“ hieß, angelangt, und man konnte in der Tat den verworrenen Lärm einer Kneiperei bis auf die Straße hin- aus hören.
Die getãfelte Extrastube im Kellergeschoß war von ei- nem milchigen Tabaks- und Bierdunst erfüllt, der in die Augen biß und den Kopf schwer machte, noch bevor man einen Schluck getrunken hatte. Das Licht aus den altdeut- sche Windfackeln darstellenden Lampen wirkte wie gefro- ren und verlieh dem Lokal mit den vielen Hirschgeweihen, Steingutkrügen, alten Schützenfestkränzen und gerahmten Trinksprũchen etwas von einer kleinstãdtischen Theater- dekoration.
Ein vielstimmiges cHoch soll'n sie leben, hoch soll'n sie
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