In der Folgezeit kam ich noch dreimal, immer nur auf wenige Tage heim: das erstemal unmittelbar nach Kriegs- ausbruch; dann ein Jahr darauf, vor meiner Finzichung; und schließlich im darauffolgenden Frühling, als ich zum Feldregiment abging.
Damals gab es in R... keine Arbeitslosen mehr; die Wehrfãhigen unter ihnen waren alle im Heer, und die ũbri- gen hatten in der Kriegsindustrie der Nachbarbezirke, oder im Altreich Beschäftigung gefunden— aber nun lastete die Abwesenheit der Männer auf der Stadt. Auch hatten die Regimenter aus den Sudeten in den kurzen, nicht sehr blu- tigen Feldzũgen im Norden und Westen unverhãltnismã- Big schwere Verluste erlitten, und ich konnte schon das bittere Flũsterwort von den fürs Heldengrab befreiten Su- detenbrũdern? hören.
Die Speicher der Exporthäuser standen nicht mehr leer da, dem Verfall preisgegeben, sie waren von der Heeres- verwaltung ũbernommen worden und dienten als Armee- magazine. In einigen der grõßeren Bijouteriebetriebe wur- den Koppel, Zaumzeuge und Patronengurte für Maschinen- gewehre erzeugt. Frauen, junge Burschen und Kriegsge- fangene verrichteten diese Arbeit. Die Kriegsgefangenen wurden am Morgen von S8. und Fabrikpolizei aus ihrem Lager hinter dem Exerzierplat? nach den Betrieben und abends unter der gleichen Bedeckung wieder in ihre Ba- racken gebracht; sie erfüllten auf᷑ diesen Mãrschen die Stra- Ben mit einer seltsamen Fremdheit und Unruhe, aber auch mit Leben.
Grau blieh weiterhin das richtige Wort für R... Doch schien mir dieses Grau jetzt weniger trũb als frũher; anders- wo war's auch nicht heller, und überhaupt: was erwartete ich schon viel?


