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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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Er gab mit der Linken den Takt, während er in der er- hobenen Rechten das Glas hochhielt wie ein Feldzeichen. Die Mãdchen hegannen jetzt mitzusingen, zuerst Hulda al- lein, in einem sehr hohen Diskant, dann auch Gerda:

Horch, die Trommel hat geschlagen, Sei bereit, sei bereit.

Aus ist der Traum,

Es heißt marschieren...

Seelke mit seinem überraschend wohlklingenden Bariton fiel ein und tremolierte:

Mar-schie ie-ren.. Und nach ihm einer um den andern von uns übrigen:

Heißt sein wonniges Leben verlieren. Rot ist jeder Wolke Saum.

Chabrun schmetterte als erster sein Glas nach dem Lied auf den Boden. Wir andern folgten seinem Beispiel. Spã- ter wurde nur noch aus einem zinnernen Stiefel getrunken, bis schließlich alle unter dem Tisch waren.

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Wie ich nach dieser Sauferei zurück auf die Stube ge- langte, weiß ich nicht; ich glaube, es war Maurer, der un- sere ganze Gruppe, Mann für Mann, aus der Kantine ab- Schleppte.

Die Nacht lag noch schwarz vor den Fenstern, als ich aus einem tauben Schlaf gerüttelt wurde. Jemand riß das La- ken weg, das ich über den Kopf gezogen hatte, und schrie mir ins Ohr: Auf! Alarm! In Feldausrüstung antreten l

Ich taumelte hoch, blieb aber im Bett sitzen. Meine Au- gen tränten, geblendet vom grellen Schein einer Taschen- lampe. Wie aus weiter Ferne und durch einen Wattenebel

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