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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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nur. Sie packte ein Bierseidel und wollte es der auf- quietschenden Hulda an den Kopf werfen.

Klahde sprang noch rechtzeitig hinzu, entriß Gerda das Glas und drãngte sie zu ihrem alten Platz am Tisch. Gerda wehrte sich, kratzte, schrie. Klahde, der bisher völlig ruhig geschienen hatte, verlor plõtzlich die Geduld und fauchte: Schluß jetzt! Oder...v

Gerda warf einen Blick auf sein Gesicht, das unheimlich fleckig geworden war, und setzte sich mit einem kleinen Aufschrei nieder.«Lieber Himmel, der Mann ist imstande und erschlãgt einen wegen 80 waslv

Beruhige dich, es sind Leute schon wegen geringerer Sa- chen weggeputzt worden verset?te Klahde. Der Ton, in dem er das sagte, ließ alle Gesprãche am Tisch verstumumnen.

Das unbehagliche Schweigen wurde von Dietz unterbro- chen:«Nanu, Holler, machst du denn dein Paket nicht auf? Willst wohl warten, bis du allein bist, aus Angst, wir könn- ten dir was abverlangen? Paraus wird nichts, Verehrter. Pack nur schön aus!

Einem ersten Impuls folgend, wollte ich die Aufforde- rung von Dietz mit einem Scherz abtun; doch als die an-

dern ihm alle lãrmend zustimmten, riß ich, ohne weiter zu überlegen, die braune Papierhülle des Pakets auf. Fine schäbige Brieftasche kam zum Vorschein, ein Eisernes Kreuz , ein eng beschriebener Zettel mit mehreren Amts- Stempeln und eine dicke Silberuhr.

Es dauerte einige Sckunden, bis ich die Uhr erkannte: Vaters Uhr, die als Erbstück meinem Bruder Lutz zu- gefallen war. Und es dauerte eine weitere Weile, bis ich den Sinn der Worte auf dem Zettel erfaßte: Gefallen in stolzer Pflichterfüllung für Führer und Reich. v Es Stand noch etwas von vorbildlicher Haltung dort, von ewiger Kameradschaft und von der Verpflichtung der Hinter- plichenen, sich des toten Helden würdig zu erweisen und keine Trauerkleidung zu tragen. Und ganz zum Schluß:

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